Logistikflächen treiben den Gewerbebau
Zwischen dem zweiten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026 wurden in der Schweiz Baubewilligungen für Industrie- und Logistikflächen im Umfang von 4,4 Milliarden Franken erteilt. Die Nachfrage bleibt hoch, obwohl freie Flächen knapp sind und Bewilligungsverfahren den Neubau bremsen.
Der kräftige Bewilligungsschub fällt in einen Markt mit sehr geringer Reserve. Frei verfügbar sind laut der von Wüest Partner ausgewerteten Daten nur rund 1 bis 1,5 Prozent der bestehenden Industrie- und Lagerflächen. Gleichzeitig hat die Logistikbranche in der Schweiz heute deutlich mehr Beschäftigte als noch vor zehn Jahren, was den Flächenbedarf zusätzlich stützt.
Knappes Angebot stützt Mieten
Die Kombination aus wachsender Nachfrage und begrenztem Neubau hält den Druck auf die Mieten hoch. In den grossen Schweizer Zentren liegen die Marktmieten für Industrie- und Logistikimmobilien teils bei mehr als 300 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Zürich und Genf zählen damit zu den teuersten europäischen Standorten. Für Eigentümer und Entwickler ist das attraktiv, für Nutzer erhöht es den Druck, Flächen früh zu sichern und Projekte präziser zu planen.
Treiber sind vor allem der Onlinehandel, der Bedarf an urbanen Verteilstrukturen für die letzte Meile und die hohe Flächennachfrage aus exportstarken Industrien. Gefragt sind nicht nur klassische Lagerhallen, sondern grossvolumige, automatisierte Distributionszentren mit Hochregallagern sowie moderne Industriegebäude an gut angebundenen Standorten.
Projekte konzentrieren sich an den Hauptachsen
Räumlich verdichtet sich die Nachfrage entlang der grossen Wirtschafts- und Verkehrskorridore. Besonders stark sind die Räume Zürich, Genf, Basel und Bern sowie die Achse Zürich nach Olten. Dort treffen zentrale Lage, Anbindung an Strasse und Schiene sowie ein dichter Arbeitsmarkt auf ein ohnehin knappes Angebot an Industriebauland.
Zu den grösseren Vorhaben zählt in Bulle eine neue Produktionsstätte von Rolex. Das Vorhaben soll laut den Standortangaben langfristig mehr als 2’000 Arbeitsplätze schaffen, die Inbetriebnahme ist etappenweise ab 2029 vorgesehen. Auch solche Projekte zeigen, dass Industrieflächen in der Schweiz nicht nur von der Logistik, sondern ebenso von produzierenden Branchen mit hohen Standortanforderungen absorbiert werden.
Anlagenotstand verschiebt den Blick
Für institutionelle Investoren wird das Segment damit auch im Vergleich zu Büroflächen interessanter. Im selben Zeitraum wurden für Büroflächen nur 1,9 Milliarden Franken an Baubewilligungen veranschlagt. Der Markt honoriert damit Nutzungen, bei denen Nachfrage, Flächenknappheit und Mietniveau derzeit klarer zusammenspielen als in vielen Bürostandorten.
Ältere oder stark spezialisierte Objekte in peripheren Lagen bleiben allerdings anfälliger. Der Nachfrageüberhang gilt vor allem für moderne, flexibel nutzbare Flächen an gut erschlossenen Standorten, während sich Standort- und Gebäudequalität bei Industrie- und Logistikimmobilien noch stärker als im Durchschnitt des Gewerbemarkts in der Preisbildung niederschlagen.