Limmattal im Standortpoker

Hitachi Energy stellt das Limmattal vor eine Richtungswahl. In Wettingen soll ein Hightech-Campus auf der grünen Wiese entstehen, mit bis zu 3’000 Arbeitsplätzen und einem kräftigen Schub für die Standortpolitik. Gleichzeitig steht hochwertiges Kulturland zur Disposition, der Siedlungstrenngürtel gerät unter Druck und Würenlos rüstet sich juristisch.

Juni 2026

Hitachi Energy sucht einen neuen Hauptsitz im Grossraum Zürich. Zur Auswahl stehen Wettingen im Aargau und Otelfingen im Kanton Zürich. In Wettingen liegt jetzt ein erstes Signal auf dem Tisch. Die grossrätliche Kommission für Umwelt, Bau, Verkehr, Energie und Raumordnung stellt sich klar hinter die notwendige Richtplananpassung im Gebiet Tägerhardächer. Mit 13 zu 1 Stimmen bei einer Enthaltung spricht sich die UBV dafür aus und schafft die planerische Basis für einen möglichen Campus.

Campus mit grosser Hebelwirkung
Der Kanton Aargau verspricht sich viel. Im Gebiet Tägerhardächer, heute Landwirtschaftszone mit Fruchtfolgeflächen und Siedlungstrenngürtel, soll ein zusammenhängender Unternehmensstandort für Hitachi Energy entstehen. Der Campus würde die heute verstreuten Standorte bündeln, rund 1’000 Arbeitsplätze sichern und mittelfristig bis zu 2’000 zusätzliche Jobs ins Limmattal bringen. Für Wettingen winken hohe Steuereinnahmen und ein starkes Signal im Standortwettbewerb.

Konflikt um Boden und Tempo
Genau hier beginnt der Konflikt. Die Richtplananpassung greift in hochwertige Landwirtschaftsflächen ein und lockert den Trennriegel zwischen Siedlungsraum und Freiraum. In der Kommission spielten Verkehrsfragen, Umweltbelastung und Raumplanungsrecht eine zentrale Rolle. Mehrere Mitglieder zeigten sich skeptisch gegenüber dem hohen Tempo, mit dem die Anpassung vorangetrieben wird. Am Ende überwog für die Mehrheit der erwartete wirtschaftliche Nutzen.

Würenlos stemmt sich gegen den Entscheid
Die lauteste Opposition kommt aus Würenlos. Die Nachbargemeinde warnt vor einem Präzedenzfall, bei dem kantonale Standortpolitik zentrale Prinzipien der Raumplanung überlagert. Der Gemeinderat kritisiert eine Beratung auf kantonaler Ebene, bevor entscheidende Grundlagen zu Verkehr, Erschliessung und Bodenschutz vorliegen. Parallel dazu bereitet Würenlos rechtliche Schritte vor und prüft den Gang bis vor Bundesgericht. Im Fokus stehen der Verlust von Fruchtfolgeflächen und zusätzliche Verkehrsströme durch das Furttal.

Standortwettbewerb im Limmattal
Im Hintergrund läuft das Rennen mit Otelfingen. Entscheidet sich Hitachi für den Zürcher Standort, fallen die Aargauer Richtplanbeschlüsse dahin und Jobs, Wertschöpfung und Steuern verschieben sich ins Zürcher Limmattal. Wie weit dehnt ein Kanton seine Raumplanung, um einen globalen Konzern zu halten. Und welche Signale sendet das an andere Gemeinden, die künftig ähnliche Projekte auf ihrem Gebiet verhandeln.

Showdown mit Signalwirkung
Ende Juni ist der Grosse Rat am Zug. Er entscheidet, ob der Kanton Aargau den klaren politischen Schulterschluss wagt und die Richtplananpassung trotz Widerstand bestätigt. Der Entscheid wirkt über Wettingen hinaus. Er zeigt, welchen Stellenwert Fruchtfolgeflächen, Siedlungstrenngürtel und Erschliessungsfragen künftig im Standortwettbewerb haben  und wie das Limmattal Wachstum, Klima- und Ernährungspolitik unter einen Hut bringen will.

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