Limmatrevitalisierung stolpert über Altlasten
Bis zum 28. September 2026 liegen die Pläne für die «Lebendige Limmat» öffentlich auf. Das Zürcher Grossprojekt soll auf 3,2 Kilometern Hochwasserschutz, Biodiversität und Naherholung verbinden, wird mit rund 95 Millionen Franken aber deutlich teurer als das Vorprojekt.
Die öffentliche Auflage markiert den nächsten heiklen Schritt in einem der grössten Freiraumprojekte des Kantons Zürich. Nach vier Jahren Detailplanung liegt das Dossier in Schlieren, Oberengstringen, Unterengstringen und Zürich bis zum 28. September 2026 auf. Danach werden Einsprachen bereinigt, bevor Regierungsrat und Kantonsrat über Festsetzung und Objektkredit entscheiden.
Im Kern geht es um die Revitalisierung eines 3,2 Kilometer langen Limmat-Abschnitts zwischen der Zürcher Stadtgrenze und der Überlandstrassenbrücke vor Dietikon. Dort soll bis Herbst 2033 die laut Kanton bedeutendste bisher realisierte Flussrevitalisierung im urbanen Raum entstehen. Geplant sind Naturzonen, Mischbereiche und fünf Naherholungszonen in einem Talraum, der in den vergangenen Jahrzehnten stark verdichtet wurde.
Mehr Raum, mehr Schutz, mehr Konfliktstoff
Der Eingriff soll alte Defizite gleich mehrfach korrigieren. Die begradigte Limmat hat Lebensräume verloren, gleichzeitig gilt der bestehende Hochwasserdamm als sanierungsbedürftig und im Ereignisfall als gefährdet. Im Betschenrohr kommt deshalb auch eine Drainage mit Pumpwerk hinzu. Für Eigentümer, Planer und Standortgemeinden ist das relevant, weil Revitalisierung hier nicht nur Landschaftspolitik ist, sondern ein wasserbaulicher Umbau mit direkten Folgen für Nutzung, Erschliessung und Schutzinfrastruktur.
Altlasten treiben die Rechnung hoch
Brisant ist vor allem der Kostenanstieg. Nach aktuellem Stand rechnet der Kanton für Planung und Umsetzung mit rund 95 Millionen Franken. Allein die gesonderte Entsorgung belasteter Böden im Betschenrohr schlägt mit rund 13 Millionen Franken zu Buche. Dort hatten festgestellte Schadstoffbelastungen die Ausgangslage seit 2024 verändert. Hinzu kommt als neuer Kostenpunkt das Drainage-Pumpwerk. Finanziert werden soll das Vorhaben grösstenteils von Kanton und Bund, wobei der Bund voraussichtlich mindestens die Hälfte übernimmt.
Betschenrohr bleibt der neuralgische Punkt
Für Diskussionen sorgt neben den Kosten vor allem die Flächenfrage. Rund 20 Hektaren Land werden für das Projekt benötigt, darunter auch ein Teil des Familiengartenareals Betschenrohr. Die Stadt Schlieren arbeitet parallel an einem Konzept, damit betroffene Gärtnerinnen und Gärtner ihre Freizeitnutzung möglichst weiterführen können. Abklärungen für zusätzliche Flächen auf angrenzendem Land laufen. Im Projekt selbst sind zudem ein Beobachtungsturm und eine Entflechtung von Fuss- und Veloverkehr vorgesehen.
Der Zeitplan bleibt lang. Auf das Bewilligungsverfahren bis Mitte 2028 sollen Planung und Bauvorbereitung folgen, die Bauphase ist von Mitte 2029 bis Mitte 2033 vorgesehen. Gerade deshalb ist die jetzige Auflage mehr als ein formaler Schritt. Sie zeigt, wie teuer, politisch sensibel und flächenintensiv urbane Revitalisierung wird, sobald Hochwasserschutz, Altlasten und Freizeitdruck gleichzeitig gelöst werden müssen.