KMU kämpfen um Fachkräfte und setzen auf Flexibilität

Der Fachkräftemangel bleibt die grösste Herausforderung für Schweizer KMU. Neben dem Wettbewerb mit Grossunternehmen und Staat verstärkt die gestiegene Verhandlungsmacht der Arbeitnehmenden den Druck. Flexiblere Arbeitsmodelle werden zum Schlüssel im Konkurrenzkampf um Talente.

August 2025

Trotz steigender Arbeitslosenzahlen bleibt der Arbeitskräftemangel die dominierende Sorge der KMU. Laut der aktuellen AXA-Arbeitsmarktstudie hatten 44 Prozent der Unternehmen grosse Mühe, offene Stellen zu besetzen, weitere 40 Prozent kämpften zumindest teilweise mit Rekrutierungsproblemen. Besonders gefragt und schwer zu finden sind hochspezialisierte Fachkräfte und Führungspersonen. Gleichzeitig führen zunehmende Personalausfälle zu weiteren Belastungen.

Konkurrenz durch Staat und Konzerne
Zwei Drittel der KMU sehen sich im Wettbewerb um Talente von Grossunternehmen unter Druck gesetzt, sowie von staatlichen Institutionen. Während KMU mit Werten wie Teamgeist, Nähe und Wertschätzung punkten, bleiben sie bei Löhnen, Karrieremöglichkeiten und Vorsorge im Nachteil.

Teamfähigkeit schlägt Fachwissen
Unzureichende Fachkenntnisse gelten als häufigstes Rekrutierungsproblem. Dennoch zeigt die Studie, dass weiche Faktoren oft entscheidend sind. Fast drei Viertel der Unternehmen bevorzugen Bewerbende mit besserer Teamfähigkeit gegenüber fachlich stärkeren, aber weniger kompatiblen Kandidaten. Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit gehören zu den meistgefragten Eigenschaften.

Vielfalt als Ziel ohne klare Umsetzung
Mehr als die Hälfte der KMU gibt an, Vielfalt wichtig zu finden. Konkrete Massnahmen bleiben jedoch die Ausnahme, nur 45 Prozent haben entsprechende Programme eingeführt. Besonders im Bereich der Rekrutierung bleibt Vielfalt oft ein unverbindliches Ziel, ohne strategische Verankerung.

Arbeitnehmende mit mehr Macht
Die Studie zeigt eine deutliche Verschiebung der Verhandlungsmacht zugunsten der Arbeitnehmenden. Zwei Drittel der KMU sehen ihre Beschäftigten in einer stärkeren Position. Höhere Lohnforderungen, Ansprüche an flexible Arbeitszeiten und verändertes Verhalten prägen die Situation. Besonders grössere KMU beobachten diese Entwicklung deutlich.

Flexibilität als Antwort
Über die Hälfte der befragten Unternehmen reagiert mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und Teilzeitoptionen. Individuelle Lösungen beim Pensum, zusätzliche Benefits und Sozialleistungen ergänzen die Strategien. Lohnerhöhungen spielen zwar eine Rolle, bleiben aber zweitrangig gegenüber der Flexibilisierung.

Ausblick und Nachfolgeproblematik
Trotz der Herausforderungen blicken 91 Prozent der KMU optimistisch in die Zukunft. Sorgen bereiten wirtschaftliche Unsicherheiten, veränderte Kundenbedürfnisse und der Nachwuchsmangel. Besonders die Nachfolgeregelung bleibt kritisch. 44 Prozent der Unternehmen stufen die Suche nach geeigneten Lösungen als schwierig ein.

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