Holz geht in die Höhe und verändert alles
Jahrzehnte lang war Holz das Material für Einfamilienhäuser und Ferienchalet. Diese Zeit ist vorbei. In Regensdorf ragt ein 75 Meter hoher Wohnturm aus Buche und Beton in den Himmel. Am Flughafen Zürich soll ab 2030 ein Terminalgebäude aus Holz entstehen, das für seine Grösse weltweit einzigartig ist. Holz ist in der Mitte des urbanen Bauens angekommen.
Visualisierung: Neues Dock A am Flughafen Zürich, Projekt «Raumfachwerk». Bild: © Flughafen Zürich AG / BUCHAREST STUDIO
Das H1 auf dem Zwhatt-Areal in Regensdorf gilt derzeit als höchstes Holzhybridhochhaus der Schweiz. Der Turm zählt 156 Wohnungen, einen doppelgeschossigen Gemeinschaftsraum und eine Photovoltaikfassade. Dahinter steckt ein Hybridprinzip. Kern, Sockelgeschosse und Decken bestehen aus Beton, die Stützen und Träger hingegen aus Stabschichtholz aus Schweizer Buche. Der Rohbau wuchs dank Vorfabrikation um ein Geschoss pro Woche. Die Bauzeit schrumpfte messbar.
Das Projekt wurde von Boltshauser Architekten entwickelt und zwischen 2022 und 2025 realisiert. Für Architekt Roger Boltshauser geht es nicht darum, Beton zu verteufeln, sondern ihn spezifischer einzusetzen. Hybride Strukturen, die verschiedene Materialien kombinieren, seien der vielversprechendste Ansatz.
Gespeicherter Kohlenstoff als Kapital
Im Vergleich zu einer reinen Betonkonstruktion spart das Projekt rund 670 Tonnen CO2 über den Lebenszyklus des Gebäudes ein. Im verbauten Holz sind weitere 1500 Tonnen CO2 eingelagert. Das Bundesamt für Umwelt hält dazu fest, dass Holz im Bau drei Klimaleistungen erbringt. Die Speicherung im Wald, Speicherung in langlebigen Produkten und Ersatz emissionsintensiver Materialien. Diese Leistung ist real, aber an eine Bedingung geknüpft: Der Wald selbst muss vital, biodivers und nachhaltig bewirtschaftet bleiben.
Brandschutz als Wendepunkt
Dass Holzhochhäuser heute überhaupt möglich sind, verdankt die Branche einer Regelrevision. Seit 2015 können Holzbauten in der Schweiz in allen Gebäudekategorien und Nutzungen errichtet werden. Das hat die Entwicklung erst ermöglicht. Nicht alle Projekte kommen trotzdem ins Ziel. In der Winterthurer Lokstadt war mit «Rocket» ein 100 Meter hohes Holz-Hybrid-Hochhaus geplant. Die neue Eigentümerin verzichtet aus wirtschaftlichen Gründen auf die Holz-Hybridbauweise, der Turm entsteht nun aus Stahl und Beton.
Holz am Flughafen
Das ambitionierteste Projekt steht noch bevor. Ab 2030 baut der Flughafen Zürich das neue Dock A , für über eine Milliarde Franken. Das Projekt «Raumfachwerk» stammt vom dänischen Büro BIG unter Bjarke Ingels, gemeinsam mit dem Zürcher Büro 10:8 Architekten. Auf den Passagierebenen soll der Neubau grösstenteils aus Holz bestehen. Das Dach wird zur Photovoltaikfläche und soll rund zwei Drittel des jährlichen Strombedarfs des Docks decken. Für ein Terminalgebäude dieser Grösse ist das bislang einzigartig, weltweit.