Hoch hinaus oder näher dran
Zürich diskutiert über Gebäude. Es geht um Wohnraum, Freiräume, Quartiercharakter und die Frage, wie eine wachsende Stadt aussehen soll. Am 27. September 2026 entscheidet die Bevölkerung zwischen zwei Vorlagen für neue Hochhausregeln.
Die heutigen Hochhausrichtlinien stammen aus dem Jahr 2001. Der Stadtrat wollte sie grundlegend erneuern und stärker auf Ökologie, Sozialraum und Städtebau ausrichten. Der Gemeinderat hat die Vorlage anschliessend deutlich verändert. Gegen dessen Beschluss wurde das Parlamentsreferendum ergriffen. Nun stehen die Variante des Gemeinderats und der ursprüngliche Vorschlag des Stadtrats zur Wahl.
Die städtische Vorlage arbeitet mit drei Höhenstufen von 40, 60 und 80 Metern. Der Grundsatz ist einfach. Mit zunehmender Höhe steigen die Anforderungen an öffentliche Erdgeschosse, Freiräume, Lokalklima und Graue Energie.
Mehr Höhe schafft nicht automatisch mehr Raum
Ein Hochhausgebiet ist keine Baubewilligung. Es zeigt einzig, wo ein Hochhaus grundsätzlich möglich wäre. Jedes konkrete Projekt muss nachweisen, dass es städtebaulich, ökologisch und funktional an den Ort passt.
Die neuen Richtlinien schaffen für sich allein keinen zusätzlichen Quadratmeter Ausnützung. Hochhäuser sind deshalb kein Automatismus gegen die Wohnungsnot. Sie können aber Dichte bündeln und dadurch Raum für Grünflächen, Wege oder Plätze freispielen.
Wo Zürich wachsen darf
Der Stadtrat will sensible Hanglagen und Quartiererhaltungszonen aus Hochhausgebieten ausschliessen. Gleichzeitig würde das Gebiet für Bauten bis 40 Meter ausgeweitet. Hochhäuser bis 80 Meter wären auf weniger Flächen möglich, weil neu eine Kategorie bis 60 Meter dazwischen tritt.
Der Gemeinderat geht weiter und reduziert die möglichen Gebiete stärker. Seine Befürworter wollen Hochhäuser vor allem dort konzentrieren, wo Gleise und grosse Entwicklungsachsen die Stadt bereits prägen. Kritiker sehen darin eine Bremse für die Innenentwicklung und für neue Wohnformen.
Die eigentliche Abwägung
Hochhäuser können Quartiere prägen, Schatten werfen und Windräume verändern. Sie können aber auch helfen, bestehende Bauten gezielt weiterzuentwickeln statt Fläche am Stadtrand zu beanspruchen. Entscheidend ist nicht allein die Höhe. Entscheidend sind Lage, Nutzung, Freiraum und die Qualität des Erdgeschosses.
Die Abstimmung legt deshalb keine fertige Skyline fest. Sie entscheidet über den Werkzeugkasten, mit dem Zürich künftig auf Wachstum reagieren kann. Die zentrale Frage lautet nicht Hochhaus ja oder nein. Sie lautet, wo Dichte der Stadt tatsächlich etwas bringt.