Drei Türme für Dreispitz Nord in Basel
Basel hat den Weg für eines seiner markantesten Stadtentwicklungsprojekte freigemacht. Der Grosse Rat genehmigte Zonenänderung und Bebauungsplan für Dreispitz Nord mit 83 zu 3 Stimmen bei vier Enthaltungen. Auf dem heutigen Gewerbe- und Parkplatzareal sollen rund 800 Wohnungen, zwei Pärke, eine Schule und drei aussergewöhnlich hohe Wohntürme entstehen.
Das Richtprojekt zeigt die geplante Entwicklung des Dreispitz Nord in Basel. Visualisierung: Herzog & de Meuron, 2020.
Die drei von Herzog & de Meuron geplanten Hochhäuser sollen 124, 138 und 151 Meter hoch werden. Der höchste Turm würde die Three Point Towers in Dübendorf überragen und zum höchsten Wohnhaus der Schweiz werden.
Die Baukörper sind das sichtbare Zeichen eines grundlegenden Wandels. Basel verfügt kaum über unbebaute Flächen. Wachstum muss deshalb in bereits erschlossenen, heute oft wenig urban genutzten Gebieten stattfinden. Dreispitz Nord soll genau dies leisten. Dichte schaffen, ohne weitere Landschaft zu beanspruchen.
Aus Parkplatz wird Quartier
Heute prägen Gewerbebauten, Verkaufsflächen und grosse Asphaltflächen das Areal. Künftig soll dort ein gemischter Stadtteil entstehen. Vorgesehen sind rund 800 Wohnungen, Büro- und Gewerbeflächen, Gastronomie sowie die Erneuerung der Einkaufszentren M-Parc und OBI.
Ein Drittel der neuen Wohnungen soll gemeinnützig sein. Dieser Anteil geht auf den Gegenvorschlag zur zurückgezogenen Initiative «Basel baut Zukunft» zurück. Damit verbindet das Projekt dichte Entwicklung mit einem konkreten Auftrag für bezahlbareren Wohnraum.
Schule auf dem Dach
Besonders ist die geplante Sekundarschule auf dem Dach des M-Parcs. Die Bau- und Raumplanungskommission bezeichnete den Ansatz als Pionierschritt. Er steht für ein Prinzip, das in dicht bebauten Städten an Bedeutung gewinnt. Flächen werden nicht nur nebeneinander genutzt, sondern übereinander.
Auch der Freiraum soll wachsen. Zwei öffentliche Parkanlagen mit zusammen rund 16’000 Quadratmetern Grünfläche sind Teil des Bebauungsplans. Das ist zentral, denn hohe Dichte funktioniert langfristig nur mit zugänglichen Aussenräumen, Schatten, Bäumen und Aufenthaltsqualität.
Zustimmung mit Vorbehalt
Im Grossen Rat fand das Projekt breite Unterstützung. Mehrere Fraktionen würdigten, dass Wohnen und Gewerbe kombiniert werden. Kritik kam vor allem von Basta. Die Partei verlangte ein stärker klimaangepasstes Konzept nach dem Schwammstadtprinzip, grössere Bäume und weniger motorisierten Verkehr. Auch die Grünen mahnten Verbesserungen bei der Schulwegsicherheit an.
Diese Debatte bleibt wichtig. Dreispitz Nord wird nicht allein daran gemessen, ob die Türme gebaut werden. Entscheidend sind auch bezahlbare Wohnungen, ein sicherer Schulweg, klimaresiliente Freiräume und ein Quartier, das im Alltag funktioniert.
Der Bau startet nicht morgen
Mit dem Parlamentsentscheid ist die Planung rechtlich weit fortgeschritten. Doch sofort fahren keine Bagger auf. Abgewiesene Einsprachen können noch an das Verwaltungsgericht und anschliessend allenfalls ans Bundesgericht weitergezogen werden. Eine erste Bauetappe ist frühestens ab 2028 möglich.
Getragen wird das Projekt von der Christoph Merian Stiftung als Grundeigentümerin, dem Kanton Basel-Stadt und der Genossenschaft Migros Basel. Dreispitz Nord ist damit mehr als eine Hochhausvision. Es ist der Versuch, aus einer Verkehrs- und Handelslandschaft einen lebendigen Stadtteil für die wachsende Stadt zu machen.