Dietikon testet, was Städte morgen brauchen
Städte kämpfen mit verstopften Strassen, lärmenden Lieferfahrzeugen und einem Verkehrssystem, das an seine Grenzen stösst. Im Limmattal haben vier Partner beschlossen, nicht länger zu warten. Sie bauen das Stadtgebiet zum Testlabor um.
Im November 2025 lancierte die ZHAW gemeinsam mit dem Logistikunternehmen Planzer, dem Cleantech Hub Dietikon-Limmattal und der Stadt Dietikon das Logistik- und Mobilitäts-Living Lab. Dietikon und Zürich stellen ihr Stadtgebiet als Reallabor zur Verfügung. Unternehmen, Forschende, öffentliche Stellen und die Bevölkerung arbeiten dabei nicht in Silos, sondern am selben Tisch. Das ist in dieser Konsequenz neu.
Autonome Fahrzeuge im echten Verkehr
Der erste Schwerpunkt ist gesetzt. Hochautomatisierte und autonome Fahrzeuge werden im regulären Strassenverkehr getestet, nicht auf abgesperrten Testgeländen. Sicherheit, Tauglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz stehen im Fokus. Die Bevölkerung wird aktiv einbezogen. Veranstaltungen zeigen, wie autonome Fahrzeuge verschiedene Verkehrssituationen erkennen und wie sie reagieren, wenn eine Situation nicht eindeutig lesbar ist. Das schafft Vertrauen. Im Rahmen des Horizon-Europe-Projekts CHORUS, das von Juli 2025 bis Dezember 2028 läuft und 36 Partner aus neun Ländern umfasst, ist Zürich einer von sieben europäischen Pilotstandorten. Planzer und die ZHAW sind als Schweizer Partner direkt eingebunden. Parallel dazu läuft ein Innobooster-Projekt zu autonomen Lieferboxen, die Handwerker selbstständig mit Ersatzteilen versorgen.
Strom statt Diesel, Daten statt Bauchgefühl
Elektrifizierung ist kein Versprechen mehr, sondern laufendes Projekt. Im EU-Projekt NexTArc, das 2026 startet und bis 2028 läuft, entwickelt das Lab ein intelligentes Lademanagement für elektrifizierte Logistikflotten. Ziel ist Peak Shaving, also die gezielte Reduktion von Lastspitzen im Stromnetz. Gleichzeitig arbeitet das Team an einer KI-gestützten Routenoptimierung, die alle Sendungen mit möglichst wenigen Fahrzeugkilometern verteilt. Der Flottenmix wird dabei datengesteuert gesteuert. Das Resultat soll eine Lieferkette sein, die effizienter, sauberer und berechenbarer funktioniert als heute.
Von Dietikon in die ganze Region
Das Lab denkt von Anfang an über die Stadtgrenze hinaus. Mobile Microhubs in Zürich werden im Rahmen des Innosuisse-Flagshipprojekts «Smart Urban Multihub Concept» bis 2027 entwickelt und erprobt. Das Konzept «Shop&Drop» vernetzt das Dietiker Lab mit dem Living Lab Winterthur. Gamification-Projekte binden die Bevölkerung spielerisch ein und schaffen Verständnis für autonome Gütermobilität. Das Ökosystem wächst. Wer heute in Dietikon testet, entwickelt morgen Standards, die weit über die Limmatstadt hinaus gelten.
Text: Jessica Bill • Bild: Logistics & Mobility Living LAB