Die Stadt Baden als Schwamm macht Ernst
Städte heizen sich auf wie Bratpfannen. Beton und Asphalt speichern die Hitze, Kanalisationen jagen das Regenwasser weg. Genau dann, wenn es am dringendsten gebraucht würde. Baden macht jetzt das Gegenteil und zeigt, wie urbane Planung die Antwort auf den Klimawandel werden kann.
Das Schwammstadt-Prinzip klingt simpel. Regenwasser nicht so schnell wie möglich loswerden, sondern vor Ort halten, versickern lassen und für die Kühlung nutzen. Was im Labor naheliegend erscheint, ist in der gebauten Stadt eine komplexe Aufgabe. Versiegelte Flächen müssen aufgebrochen, Böden durchlässiger gestaltet und neue Grünflächen geschaffen werden.
In Baden stehen konkret die Aufwertungsprojekte an der Badstrasse und auf dem Kirchplatz im Fokus. Tiefbauverantwortlicher Majo Kupresak bringt es auf den Punkt, denn Asphalt entfernen allein genügt nicht. Entscheidend sei, was danach mit dem Wasser geschehe. Gelingt die gezielte Speicherung, profitiert die gesamte Stadt.
Bäume als Klimaanlage
Pflanzen und Bäume kühlen doppelt durch Schatten und Verdunstung. Im Schatten grosser Bäume kann es bis zu 10 Grad Celsius kühler sein als auf versiegelten Flächen. Ein einzelner Baum verdunstet pro Tag mehrere Hundert Liter Wasser und wirkt damit wie eine natürliche Klimaanlage. Zürich hat das erkannt und beschlossen, innerhalb von zehn Jahren 145’000 Quadratmeter Asphalt zu entsiegeln und 2’000 zusätzliche Strassenbäume zu pflanzen.
Schweizweit im Aufbruch
Baden steht nicht allein. Bern testet das Schwammstadt-Prinzip seit 2024 gezielt in Pilotprojekten. Genf und Lausanne haben sich ambitionierte Baumpflanzungsziele gesetzt. Genf will 25 Prozent des Stadtgebiets bis 2030 mit schattenspendenden Bäumen bedecken, Lausanne 30 Prozent bis 2040. Luzern setzt auf helle Beläge und versickerungsfähige Oberflächen. Der Kanton Zürich hat 2025 ein umfassendes Rahmenprogramm lanciert, das Gemeinden bei der Umsetzung unterstützt.
Privat und öffentlich zusammen
Das Prinzip funktioniert nur, wenn öffentliche Projekte und private Grundstücke zusammenwirken. In Baden ergänzen die sogenannten Asphalt-Knackerinnen die städtischen Massnahmen. Sie beraten Hauseigentümer direkt bei Entsiegelungen auf Privatgrund. Unterstützt wird Baden dabei auch finanziell von der Mobiliar, die sich schweizweit für Naturgefahrenprävention und Klimaanpassung engagiert.
Auch in Polen zeigt das Schwammstadtprojekt in Bydgoszcz, wie gross- und kleinskalige Massnahmen kombiniert werden können, Parks, Feuchtgebiete und durchlässige Beläge wirken zusammen als resilientes Gesamtsystem gegen Hitze und Überflutung. Die Botschaft ist überall dieselbe, Regen ist keine Last. Er ist eine Ressource.