Die Schweiz reguliert Datencenter
Datencenter sind die unsichtbare Infrastruktur der digitalen Wirtschaft. In der Schweiz boomen sie, doch ihr Hunger nach Strom, Wasser und Bauland wächst schneller als die Regulierung. Schaffhausen hat jetzt als einer der ersten Kantone klare Grenzen gezogen. Und er dürfte nicht der letzte sein.
Laut einer aktuellen Studie von EnergieSchweiz vom Mai 2026 verbrauchten Schweizer Rechenzentren 2024 rund 2,1 TWh Strom, das entspricht 3,6 Prozent des gesamten Landesverbrauchs. Seit 2019 ist der Verbrauch um 18 Prozent gestiegen, getrieben vor allem durch grosse kommerzielle Anbieter und den KI-Boom. Bis 2030 rechnen die Experten mit einem Anstieg auf 2,5 bis 3,2 TWh, im ungünstigsten Szenario sogar auf 3,5 TWh. Ein einzelnes neues Rechenzentrum in Winterthur-Hegi benötigt allein halb so viel Strom wie die gesamte Stadt Winterthur mit über 119’000 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Schaffhausen setzt neue Massstäbe
Der Schaffhauser Kantonsrat hat im Mai 2026 mit 38 zu 17 Stimmen eine Motion angenommen, die klare Bedingungen für neue Datencenter stellt. Wer ein Rechenzentrum mit mehr als zwei Gigawattstunden Abwärme pro Jahr betreiben will, muss künftig mindestens 50 Prozent dieser Wärme wirtschaftlich weiterverwenden. Dazu kommen Vorgaben zur Wasserversorgung. Mindestens die Hälfte des Kühlwassers muss kreislauforientiert gesichert sein. In Beringen SH wurde ein erstes Datencenter ohne solche Auflagen bewilligt, da Rechenzentren laut eidgenössischer Verordnung keine Umweltverträglichkeitsprüfung benötigen. Genau diese Lücke soll nun geschlossen werden.
Zürich ist schon weiter
Kanton Zürich hat das Problem früher erkannt. Der Zürcher Kantonsrat will Rechenzentren im Kanton bereits verpflichten, ihre Abwärme für Heizzwecke zur Verfügung zu stellen. Ein Paradebeispiel zeigt, wie das funktioniert. Das Datencenter in Dielsdorf liefert Abwärme ins lokale Fernwärmenetz und heizt damit 3’500 Wohnungen und Büros. Ein Zurich-Leitfaden für Gebäudetechnik in Rechenzentren besteht zudem bereits seit 2018 und schreibt Mindeststandards für Energieeffizienz vor.
Freie Fläche, kaum Arbeitsplätze
Ein Kernproblem bleibt die Flächenfrage. Datencenter beanspruchen grosse Areale in Gewerbezonen, schaffen aber im Vergleich kaum lokale Arbeitsplätze oder Steuereinnahmen. Das verschärft den Nutzungsdruck auf knappes Bauland und verdrängt Gewerbe mit höherer Wertschöpfung und Arbeitsplatzdichte. Der Schaffhauser Vorstoss verlangt deshalb auch, dass neue Anlagen eine ortsübliche Wertschöpfung nachweisen müssen.
Was Baubewilligungen leisten
Solange keine gesetzliche Grundlage besteht, können Baubehörden keine weitergehenden Auflagen erlassen. Eine Baubewilligung ist eine sogenannte Polizeierlaubnis. Wer die geltenden Gesetze erfüllt, hat Anspruch auf Bewilligung. Das Effizienzpotenzial ist gross. Laut BFE-Studie könnten in Schweizer Rechenzentren fast 38 Prozent des Stromverbrauchs durch gezielte Massnahmen eingespart werden. Damit wäre der Handlungsspielraum vorhanden. Was fehlt, ist in vielen Kantonen noch der gesetzliche Rahmen.