Der Bundesrat dreht die Solarlogik um

Ab dem 1. Januar 2027 gilt in der Schweiz eine neue Vergütungslogik für eingespeisten Solarstrom. Was der Bundesrat im Mai 2026 beschlossen hat, verändert die Spielregeln für tausende PV-Betreiber grundlegend. Wer bisher einfach produziert und eingespeist hat, muss künftig mitdenken, sonst drohen reale Verluste. Die Schweizer Solarwirtschaft steht vor einem Systemwechsel.

Juni 2026

Der Bundesrat hat die Energieverordnungen revidiert. Können sich Netzbetreiber und Produzenten nicht auf eine Vergütung einigen, entspricht sie künftig dem Marktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung, inklusive negativer Werte. Die revidierten Verordnungen treten per 1. Juli 2026 in Kraft, die neuen Abnahmeregelungen folgen per 1. Januar 2027. Damit reagiert der Bundesrat auf ein strukturelles Problem. Die Schweiz erreicht heute bereits einen Solarstromanteil von rund 14 Prozent am Gesamtverbrauch und der Ausbau geht weiter.

Zu viel Sonne wird zum Problem
Negative Strompreise entstehen, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt. In der Schweiz hat sich die Zahl der Stunden mit negativen Preisen in den letzten Jahren stark erhöht . Von unter 100 Stunden jährlich auf zeitweise über 200 Stunden. Betroffen sind vor allem sonnige Mittage und Wochenenden, wenn viel Solarstrom produziert und wenig verbraucht wird. Was bisher die Netzbetreiber absorbierten, wird ab 2027 direkt an die Produzenten weitergegeben. Wer dann unkoordiniert einspeist, trägt das finanzielle Risiko selbst.

Anlagen über 150 kWp besonders exponiert
Nicht alle treffen diese Änderungen gleich hart. Für kleinere Hausdachanlagen bleibt die Einspeisevergütung zunächst stabiler. Grössere Anlagen ab 150 kWp hingegen sind bereits heute stärker dem Marktpreis ausgesetzt, für sie wird der Zeitpunkt der Einspeisung zum entscheidenden Wirtschaftsfaktor. Das klassische Betriebsmodell, produzieren, einspeisen, kassieren, funktioniert für diese Anlagen ab 2027 nicht mehr ohne aktives Management.

Das Ende des passiven Betriebs
Eine PV-Anlage muss künftig mehr leisten als die Stromproduktion. Sie muss flexibel auf Marktpreise reagieren, Einspeisung zeitlich steuern und Speicherkapazitäten einbeziehen. Diese drei Strategien gelten als wirksam, intelligente Abregelung bei negativen Preisen, maximierter Eigenverbrauch sowie die Zwischenspeicherung von Strom für ertragreichere Stunden. Wer keine dieser Massnahmen ergreift, riskiert, für seinen eigenen Solarstrom zu bezahlen.

Lösungen sind verfügbar
Der Markt reagiert. Die Schweizer Unternehmen sun2wheel und convoltas erweitern ihr Produkt «Profit-Plus» um eine automatische Schutzfunktion gegen Negativpreise, kostenlos für bestehende und neue Kunden. Das System erkennt kritische Preissituationen frühzeitig und reduziert die Einspeisung automatisch, bevor Verluste entstehen. Zusätzlich bündelt Profit-Plus PV-Anlagen zu einem virtuellen Kraftwerk und vermarktet deren Flexibilität am Schweizer Regelenergiemarkt, mit Zusatzeinnahmen von rund 10 Franken pro installiertem Kilowatt. Auch international reagieren Anbieter. Das deutsche Unternehmen energy2market hat 2025 ein vergleichbares Automatisierungsprodukt lanciert. Der Unterschied im Schweizer Markt mit seiner spezifischen Regelenergiearchitektur unter Swissgrid sind lokale Lösungen klar im Vorteil. 2027 kommt. Wer wartet, zahlt.

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