Das Limmattal – Zwischen Zürich und Zukunft
Der 109. immoTable Limmattal zog am 18. Juni 2026 rund 190 Immobilien- und Standortfachleute in den StartUp Space nach Schlieren. Die Leitfrage des Nachmittags war so einfach wie komplex. Hat das Limmattal das Zeug zu einem eigenständigen Wirtschaftsraum oder bleibt es auf Dauer im Gravitationsfeld Zürichs?
Joris Van Wezemael, eröffnete den Nachmittag mit einer prägnanten Bestandsaufnahme. Das Limmattal verfügt über Verkehrsgunst, integriert in den Metropolitanraum Zürich, ausgeprägte Landschaftsqualitäten entlang der Limmat mit Wald auf beiden Talseiten und über eine Reihe spannender Entwicklungsgebiete mit diversen Clustern. Seine Kernthese: «Was macht das Limmattal? Es macht nichts! Wenn wir wissen, was unser Ziel ist, können wir Strategien entwickeln.» Solange unklar bleibt, was das Limmattal sein will, fehlt die Grundlage für Strategien.
Kanton Zürich setzt auf Rahmenbedingungen und Cleantech
Samuel Mösle vom Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich zeichnete ein differenziertes Bild des wirtschaftlichen Umfelds. Geopolitische Unsicherheiten, hohe Preise und schwankende Zinsen belasten Unternehmen. Auf nationaler Ebene habe man durch jüngste Abstimmungen jedoch an Stabilität gewonnen. Der Kanton versteht sich als Gestalter von Rahmenbedingungen für Wohlstand, Wachstum und Lebensqualität. Schlüsselbereiche sind Life Sciences, Cleantech, Raumfahrt, Halbleiter, Umwelttechnologie und Gesundheit. Mit einem ausgeprägten Fokus auf das Startup-Ökosystem, damit Forschung und Unternehmen gemeinsam gedeihen. Administrative Entlastung durch ein kantonales Unternehmensportal und konkrete Projekte wie die Weiterentwicklung von Wirtschaftsflächen in Otelfingen mit Hitachi zeigen die operative Haltung des Kantons.
Niderfeld das Generationenprojekt
Josef Wiederkehr, Verwaltungsratspräsident der Josef Wiederkehr AG und Präsident des Grundeigentümervereins Niderfeld, gab Einblick in eines der bedeutendsten Entwicklungsgebiete der Region. Auf rund 400’000 m² sollen Wohnraum für 40’000 Personen, 3’500 Arbeitsplätze sowie öffentliche Nutzungen entstehen. Kein Projekt auf der grünen Wiese, sondern ein langjähriger Prozess, der 2012 mit der Gründung des Vereins der Grundeigentümer unter Balz Halter begann. Heute sind es rund 30 Eigentümer, die gemeinsam mit der Stadt Dietikon und dem Kanton einen Masterplan und Quartierplan erarbeitet haben. Ein Dreierpaket wurde vom Stadtrat gutgeheissen und liegt nun dem Gemeinderat Dietikon vor. Ein Entscheid bis Ende 2026 ist vorgesehen, ein Referendum bleibt möglich. Die Verkehrsanbindung über die Kantonsgrenze, unter anderem via Limmattalbahn, ist dabei ebenso zentral wie die Frage nach der richtigen Nutzungsdichte. Wiederkehrs Wunsch für das Generationenprojekt: «Ein belebtes Quartier, wo gewohnt und gearbeitet wird, auch noch in 50 Jahren.»
Stadtentwicklung zwischen Vision und Realpolitik
Balz Halter, Inhaber der Halter Gruppe, blickte mit kritischer Offenheit auf die Entwicklung des Limmattals zurück. Schlieren war lange desindustrialisiert und städtebaulich wenig attraktiv, ebenso wenig wie Dietikon. Es brauchte Pioniere wie Peter Voser und Albert Schweizer, die vor 20 Jahren vorangingen. Heute kann die Region stolz auf die Transformation ihrer Industriebrachen sein. Das Färbeareal in Schlieren, entwickelt mit der TX Gruppe, war 2004 ein Schlüsselmoment, der zeigte, es braucht eine gesamträumliche Planung. Die aktuelle BZO-Revision in Schlieren, ein Bevölkerungswachstum von 30 Prozent auf über 20’000 Einwohner und die Notwendigkeit, Verdichtung an den richtigen Stellen, auch in die Höhe zu denken, prägen heute die Agenda.
Swiss Life setzt auf Life Sciences und Synergie
Marcel Balmer, Head Real Estate Finance Switzerland bei Swiss Life Asset Managers, stellte das Wagi-Areal in Schlieren vor, einen strategischen Anker im Limmattal. Swiss Life hat sich bewusst entschieden, in diesen Standort zu investieren und zu bleiben. Schlieren hat sich vom Industriestandort zu einem der wichtigsten Life-Sciences-Standorte der Schweiz entwickelt. Für Investoren zählen Planungssicherheit, Skalierbarkeit und funktionierende Partnerschaften mit der öffentlichen Hand. Balmer betonte, dass es dabei Mut, Leidenschaft und Herz braucht. Standortqualität bedeutet Geschwindigkeit, Sicherheit und Zusammenarbeit. Das Wagi-Areal bietet dabei weiteres Synergiepotenzial, etwa durch Renaturierung mit Erholungsgebiet. Die Verkehrspolitik müsse in einem grösseren Perimeter gedacht werden.
Panel Limmattal 2035 weniger Gärtlidenken
Bei der abschliessenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Joris Van Wezemael diskutiuerten Roger Bachmann, Balz Halter, Samuel Mösle und Ladina Esslinger. Das Bewusstsein, eine gemeinsame Wirtschaftsregion zu sein, ist da, die Umsetzung bleibt jedoch anspruchsvoll. Esslinger mahnte, über die eigene Grundstückgrenze hinaus zu denken: «Wenn das alle machen, kommen wir weiter.» Roger Bachmann, Präsident der Planungsgruppe Limmattal betonte: «Wir sitzen alle im gleichen Boot.» Die Zusammenarbeit und der Dialog mit dem Kanton Aargau über die Kantonsgrenze hinaus ist da und muss intensiviert werden. Die Komplexität nimmt zu und die Rahmenbedingungen müssen immer wieder angepasst werden. Themen wie KI und Demographie brauchen Departementübergreifende Abstützung.
Leadership ist der entscheidende Erfolgsfaktor und Schlieren hat gezeigt, wie es geht. Albert Schweizer, pragmatisch, wirkungsstark und seinem Ruf in der ganzen Schweiz vorauseilend, wurde am immoTable als «Schlierenmacher» geehrt.
Das Limmattal hat die Voraussetzungen, die Akteure und die Energie. Was jetzt fehlt, ist eine gemeinsame Vision und der Mut, sie konsequent umzusetzen.




