Bellinzona verschiebt Eröffnung des neuen Pretoriums

Der Umbau und die Erweiterung des Pretoriums in Bellinzona dauern länger als geplant. Statt im Herbst 2026 soll das Gebäude mit Justiz- und Polizeinutzungen nun im Frühjahr 2027 übergeben werden. Der Kanton begründet die Verzögerung mit Rekursen im Vergabeverfahren und hält zugleich an Kostenrahmen und Denkmalschutzvorgaben fest.

August 2026

Der Termin rückt um einige Monate nach hinten, obwohl auf der Baustelle weitergearbeitet wird. Der Kanton Ticino führt die spätere Übergabe auf Rekurse in den Ausschreibungsverfahren zurück. Diese wurden zwar abgewiesen, verzögerten aber laut kantonalen Angaben den Realisierungsablauf des Projekts an der Viale Stefano Franscini.

Für die Immobilien- und Baupraxis ist der Fall vor allem deshalb relevant, weil hier Sanierung, Erweiterung und Denkmalschutz in einem laufenden öffentlichen Grossprojekt zusammenkommen. Das Pretorium ist ein kommunal geschütztes Kulturgut. Die repräsentativen Baukörper und die Fassade zum Viale Stefano Franscini werden erhalten, während im Innern und im rückwärtigen Teil zusätzliche Flächen für Justiz und Polizeidienste entstehen.

50 Millionen Franken im bestätigten Rahmen
Die Investition liegt bei rund 50 Millionen Franken. Bereits bei der Projektvorstellung sprach der Kanton von 43,42 Millionen Franken kantonalem Baukredit sowie zusätzlichen 3 Millionen Franken des Bundes für besondere Anforderungen. Im aktuellen Stand sollen die Kosten weiterhin innerhalb der bewilligten Kredite bleiben. Für öffentliche Bauherrschaften ist das ein wichtiger Punkt, weil Terminverschiebungen bei Umbauten im Bestand oft rasch auf den Kostenrahmen durchschlagen.

Das Projekt geht auf die Neuordnung der Justizstandorte in Ticino zurück. Der Standort neben dem Bundesstrafgericht soll nach dem Umbau unter anderem Räume für die unabhängige Berufungskammer des Bundesstrafgerichts, die Zivilpretur des Bezirks Bellinzona sowie Einheiten der Kantonspolizei aufnehmen. Frühere kantonale Unterlagen nannten für das Gesamtvorhaben Flächen von 3’648 Quadratmetern, verteilt auf Nutzungen für Bundesstrafgericht, Polizei und Ziviljustiz.

Vergaben bremsten den Ablauf
Dass selbst abgewiesene Rekurse Termine verschieben können, zeigt sich hier besonders deutlich. Neben den juristischen Verzögerungen liefen die Beschaffungen zuletzt weiter. Noch im Juni 2025 publizierte die zuständige kantonale Stelle eine Offertöffnung für Schreinerarbeiten an den Aussenschliessungen des umgebauten Pretoriums. Das deutet darauf hin, dass das Projekt auch in einer späten Bauphase etappenweise weiter vergeben und abgewickelt wurde.

Im Umfeld der Baustelle blieb die Belastung für die Nachbarschaft ein Thema. Genannt werden insbesondere Lärm, Erschütterungen, Staub und die Beanspruchung der Via Giovanni Nizzola durch schwere Fahrzeuge. Für den von den Bauarbeiten betroffenen Abschnitt ist in Abstimmung mit der Stadt Bellinzona eine Erneuerung des Strassenbelags vorgesehen. Damit endet die Wirkung des Projekts nicht an der Gebäudekante, sondern greift auch in den angrenzenden öffentlichen Raum ein.

Nächster Schritt im Frühjahr 2027
Mit der nun erwarteten Übergabe im Frühjahr 2027 verschiebt sich auch die betriebliche Konsolidierung der betroffenen Justiz- und Polizeidienste. Für den Standort Bellinzona bleibt das Vorhaben dennoch ein zentrales Verwaltungsprojekt, weil es einen historischen Bestand sichert und gleichzeitig neue Flächen für sicherheits- und justiznahe Nutzungen in einem sensiblen städtischen Kontext schafft.

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