Baden macht Ernst mit der Schwammstadt

Starkregen flutet Keller, Hitze glüht auf versiegelten Flächen, Kanalisationen arbeiten am Limit. Was jahrzehntelang als normale Stadtentwicklung galt, rächt sich heute mit jedem Extremwetterereignis. Die Stadt Baden zieht jetzt die Konsequenzen holt sich Verbündete, um privaten Beton aufzubrechen. Ein Modell, das Schule machen könnte.

Mai 2026

Versiegelte Flächen lassen Regenwasser kaum versickern und heizen sich bei hohen Temperaturen stark auf. Das Problem findet sich vor allem auf privaten Grundstücken, in Vorgärten, Innenhöfen und auf asphaltierten Parkplätzen. Genau dort setzt die Entsiegelungsaktion an, die die Stadt Baden gemeinsam mit den «Asphaltknackerinnen» und der Mobiliar Genossenschaft lanciert hat.

Beratung, Beiträge, Belageentsorgung 
Das Modell ist pragmatisch aufgebaut. Privatpersonen, Baugenossenschaften und kleinere Unternehmen mit bis zu zwanzig Mitarbeitenden können kostenlos und unverbindlich einen Vor-Ort-Termin mit den «Asphaltknackerinnen» buchen. Diese beraten bei der Planung und begleiten das Projekt über ein bis zwei Jahre. Wird eine Fläche tatsächlich entsiegelt und naturnah gestaltet, übernimmt die Stadt Baden die Entsorgung des entfernten Belags für Flächen bis maximal 100 Quadratmeter.

Das Schwammstadtprinzip als Leitidee 
Das Konzept besagt, dass Wasser dort zurückgehalten wird, wo es fällt. Entsiegelte Böden nehmen Regenwasser auf, wirken kühlend und entlasten die Kanalisation bei Starkregen. Gleichzeitig entstehen naturnahe Lebensräume für Pflanzen und Tiere.

Mehr als Klimaanpassung 
Baden geht noch einen Schritt weiter. Ergänzend zur Entsiegelungsaktion fördert die Stadt zusätzliche ökologische Massnahmen. Wer über die reine Flächenentsiegelung hinausgeht und Biodiversität aktiv stärkt, kann bis zu 50 Prozent der Kosten zurückerhalten, maximal 1000 Franken pro Projekt. Gleiches gilt für Baumpflanzungen, ebenfalls bis zu 50 Prozent und maximal 1000 Franken pro Baum.

Für Unternehmen und Baugenossenschaften im Kanton Aargau ist das Zeitfenster jetzt offen. Wer Flächen besitzt, die heute mehr Hitze produzieren als Nutzen bringen, erhält kostenlose Beratung, finanzielle Beteiligung und fachliche Begleitung aus einer Hand. Der Aufwand ist überschaubar, der Mehrwert für Gebäudewert, Aufenthaltsqualität und ESG-Profil ist real.

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