Aarau zähmt den Telli Streit mit zwei Standorten

Aarau versucht den nächsten Befreiungsschlag im festgefahrenen Schulraumstreit. Vor der Ortsbürgergemeindeversammlung vom 16. November 2026 bindet der Stadtrat den Standort Zelgli vertraglich an die Telli und macht damit neue Neubauten an beiden Orten wieder möglich.

Aargau, September 2026

Der dritte Anlauf ist enger geschnürt als die gescheiterten Vorgänger. Nach dem Nein der Ortsbürger zum Baurechtsvertrag vom 8. März 2026 will der Stadtrat den Schulraumstreit mit einer klaren Sicherung des Standorts Zelgli entschärfen. Der überarbeitete Vertrag soll am 16. November 2026 der Ortsbürgergemeindeversammlung vorgelegt werden. Parallel dazu wurde die Machbarkeit für einen Erhalt und Ausbau des Zelgli vertieft geprüft.

Der Druck bleibt hoch. Laut Stadt fehlen auf Aarauer Stadtgebiet Schulräume für 18 Oberstufenabteilungen, bis 2037 werden rund 1’200 Oberstufenschülerinnen und -schüler erwartet. Am Grundbedarf von insgesamt 54 Abteilungen hält der Stadtrat deshalb fest. Anders als beim ersten Telli-Grossprojekt soll dieser Bedarf aber nicht mehr an einem einzigen Ort konzentriert werden, sondern auf zwei Standorte verteilt werden.

Zelgli wird zum politischen Pfahl
Genau hier liegt die zentrale Änderung. Gemäss neuem Szenario soll auf die Übertragung des Oberstufenschulhauses Zelgli an den Kanton verzichtet werden. Der Kanton will zwar weiterhin Teile der Schulanlage südlich der Pestalozzistrasse übernehmen, doch das eigentliche Oberstufenschulhaus soll im städtischen Schulkonzept verankert bleiben. Damit reagiert Aarau auf die Sorge, die Telli könne langfristig zum alleinigen Oberstufencampus werden.

Für die bauliche Entwicklung heisst das, dass in der Telli neu ein Schulstandort für 30 bis 36 Abteilungen vorgesehen ist. Im Zelgli soll der Bestand für 18 Abteilungen gesichert und je nach Variante auf bis zu 24 Abteilungen ergänzt werden. Damit rückt im denkmalgeschützten Umfeld des Zelgli auch neuer Hochbau wieder auf den Tisch, etwa auf dem Vorplatz zwischen Schulhaus und Pestalozzistrasse oder entlang der Schanzmättelistrasse. Zusätzlich wird eine neue Turnhalle im Bereich obere Schanz geprüft.

Arealtausch bleibt der heikle Hebel
Der übergeordnete Grundstücksdeal ist politisch noch immer heikel, immobilienstrategisch aber entscheidend. Der Regierungsrat hat dem Grossen Rat am 10. Juli 2026 die Vereinbarung für den Arealabtausch unterbreitet. Vorgesehen ist, dass die Sportanlage Telli an die Stadt Aarau übergeht, während der Kanton kommunale Schulbauten südlich der Pestalozzistrasse erhält, die an die Neue Kantonsschule angrenzen. In der zuständigen Grossratskommission fand dieses Modell im August 2026 grundsätzlich Unterstützung, vollzogen wird es aber nur, wenn alle zuständigen Instanzen zustimmen.

Für die Immobilienbranche ist genau dieser Mechanismus relevant. Der Baurechtsvertrag in der Telli ist kein Nebenschauplatz, sondern die Scharnierstelle zwischen Schulbau, Arealentflechtung und künftiger Entwicklung staatlicher und kommunaler Bildungsflächen. Scheitert er erneut, bleibt nicht nur der zusätzliche Oberstufenschulraum blockiert. Auch der mit dem Kanton abgestimmte Umbau der Flächenlogik zwischen Telli, Zelgli und der Neuen Kantonsschule gerät erneut ins Stocken.

November entscheidet über den Baupfad
Die Stadt versucht deshalb, den Widerstand mit mehr Mitsprache und engeren Leitplanken zu brechen. Nach den bisherigen Informationen soll der überarbeitete Vertrag ausdrücklich auf zwei Oberstufenstandorte ausgerichtet werden. Zugleich läuft auf Kantonsebene das Verfahren für den Arealabtausch weiter. Damit wird die Abstimmung in Aarau weit mehr als ein lokaler Schulstreit. Sie entscheidet darüber, ob aus einer jahrelangen Blockade endlich ein realisierbarer Baupfad für Telli und Zelgli wird.

Weitere Artikel