Auslöser ist das Entlastungspaket 2026, das der St. Galler Kantonsrat am 3. Dezember 2025 beschlossen hat. Die Regierung begründete die Eingriffe damit, dass der Richtplan nur zusammenhängende Siedlungsgebiete mit mehr als 300 Einwohnerinnen, Einwohnern und Arbeitsplätzen zur ÖV-Erschliessung verpflichte. Historisch gewachsene Angebote in kleineren Weilern oder schulorientierte Linien gehen aus Sicht des Kantons über diese Pflicht hinaus.
Für die Immobilien- und Standortentwicklung ist das mehr als eine reine Fahrplanfrage. Wo Verbindungen ausgedünnt oder ganz aufgehoben werden, sinkt die Alltagstauglichkeit autoarmer Wohn- und Arbeitsstandorte. Betroffen sind vor allem Randlagen rund um St. Gallen, Gossau, Goldach, Rorschach, Rorschacherberg, Waldkirch und Wittenbach.
Ganze Linien stehen vor dem Aus
Aufgehoben werden sollen die Linie 132 zwischen Engelburg, Hohfirst und Waldkirch, die Linie 254 zwischen der Kantonsschule St. Gallen, Goldach, Rorschach Stadt, Rorschacherberg und Rorschach sowie die S-Bahn-Linie S82 zwischen St. Gallen, St. Fiden und Wittenbach. Allein bei diesen drei Angeboten rechnet der Kanton mit Einsparungen von 330’000 Franken pro Jahr. Hinzu kommen Mitteleffekte bei Gemeinden und Bund.
Weitere Kürzungen treffen die städtische und regionale Feinerschliessung. Die Linie 11 zwischen St. Gallen Bahnhof, Karlstor und Abacus-Platz soll um rund 50 Prozent ausgedünnt werden. Auf der VBSG-Linie 10 zwischen Oberhofstetten, St. Gallen Bahnhof und Röteli ist eine Reduktion um 20 Prozent vorgesehen. Die Linie 150 zwischen Gossau, Eichen und Sommerau soll auf die Hauptverkehrszeiten beschränkt werden.
Sparen verlagert Kosten und Risiken
Besonders heikel ist der Rückzug des Kantons aus einzelnen Angeboten ohne gesetzliche Erschliessungspflicht. Genannt werden die Linien 180 Herisau, Hundwil, Stein AR und St. Gallen, N23 Gossau, Herisau und Urnäsch sowie erneut die S82. Damit sinkt zwar der kantonale Aufwand, ein Teil der Last wandert aber zu den Gemeinden weiter.
Gesamtkantonal soll der Kanton mit Kürzungen und dem Ausstieg aus der Mitfinanzierung verschiedener Linien rund 3 Mio. Franken einsparen. Parallel dazu läuft bereits die Fahrplanplanung 2027. Auf der Kantonswebsite war im Mai 2026 festgehalten worden, dass die Linie 151 in Fahrtrichtung St. Gallen auf die Fahrt via Bahnhof Winkeln verzichtet und die S82 aufgehoben werden soll. Das zeigt, dass aus dem Sparbeschluss konkrete Angebotsanpassungen im Netz werden.
