Der jetzt publizierte Plan markiert für die Genossenschaft einen Einschnitt. Erstmals setzt sie in ihrer Geschichte auf Ersatzneubauten. Auf dem Areal im Zentrum von Littau sollen zwei versetzte Baukörper mit bis zu sieben Geschossen entstehen. Vorgesehen sind 103 Wohnungen sowie Gewerbeflächen und ein Bistro. Der Gestaltungsplan soll nach heutigem Stand 2027 eingereicht werden.
Damit wächst das Angebot gegenüber dem Bestand von 70 auf 103 Wohnungen. Das Siegerprojekt «ON Y VA» stammt von AM Architects aus Luzern zusammen mit Eder Landschaftsarchitektur aus Zürich und wurde laut den publizierten Projektangaben für eine Mischnutzung aus Wohnen, Arbeiten und gemeinschaftlichen Angeboten ausgelegt. Geplant ist eine Holz-Hybrid-Bauweise mit einem lärmgeschützten Innenhof entlang der stark belasteten Luzernerstrasse.
Verdichtung mit sozialem Druck
Für den Immobilienmarkt in Luzern ist der Fall auch deshalb brisant, weil die Verdichtung zwar zusätzlichen Wohnraum schafft, für die heutige Mieterschaft aber spürbare Folgen hat. Für 2,5 Zimmer auf knapp 60 Quadratmetern werden netto rund 1’300 Franken erwartet. Eine 3-Zimmer-Wohnung mit 75 Quadratmetern soll netto etwa 1’700 bis 2’000 Franken kosten. In den Altbauten liegen die Mieten teils deutlich tiefer und oft unter 1’500 Franken pro Monat.
Gerade Haushalte mit knapperem Budget dürften den Wechsel kaum im gleichen Areal auffangen können. Die Genossenschaft verfügt gemäss ihrem Liegenschaftsportfolio über mehr als 700 Objekte und verweist auf laufende Erneuerungen in weiteren Beständen. Für die aktuelle Bewohnerschaft bedeutet das trotzdem vor allem eines. Wer in Littau bleiben will, ist auf Ersatzangebote innerhalb des Portfolios oder auf den ohnehin angespannten Luzerner Wohnungsmarkt angewiesen.
Warum der Ersatzneubau kommt
Als Gründe für den Neubau nennt die Genossenschaft die energetisch schwache Bausubstanz, fehlende Hindernisfreiheit und Defizite bei der Erdbebensicherheit. Hinzu kommt der Wunsch nach mehr kleinen Wohnungen. Das passt zur städtischen Entwicklung, denn die Stadt Luzern sieht gerade in Littau und Reussbühl die grössten Potenziale für zusätzlichen Wohnungsbau. Entlang der Luzernerstrasse ist der Verdichtungsdruck seit Jahren hoch.
Bis zum Baustart dürfte es noch dauern. Die Mieterschaft wurde laut Bericht bereits 2025 über die Pläne informiert, und selbst nach einer Kündigung soll genügend Zeit bis zum Auszug bleiben. Wenn der Gestaltungsplan wie vorgesehen 2027 eingereicht wird, dürften bis zum Baubeginn noch mehrere Jahre vergehen. Für Littau ist das Projekt dennoch schon jetzt ein Signal. Verdichtung im Zentrum kommt voran, aber sie wird auch bei gemeinnützigen Trägern teurer und anspruchsvoller in der sozialen Abfederung.
