Mehr Wohnungen, aber keine echte Entwarnung

Der Schweizer Wohnungsbau zieht wieder an, doch der Engpass bleibt hartnäckig. Wüest Partner erwartet 2027 rund 50’000 neue Wohnungen, nach einem Tief von 39’000 im Jahr 2025. Grosszentren bleiben unter Druck, und ohne breitere Verdichtung dürfte der Aufschwung rasch an Grenzen stossen.

Schweiz/Zürich/Basel, September 2026

Der erwartete Anstieg stützt sich vor allem auf Projekte auf noch vorhandenen Baulandreserven. Genau dort liegt das Problem. Wüest Partner warnt, dass der aktuelle Aufschwung nur begrenzte Reichweite hat, solange die Verdichtung in bestehenden Siedlungsgebieten nicht schneller und breiter vorankommt.

Tiefpunkt ist erreicht
Für 2026 rechnet das Beratungsunternehmen mit einem Nettowohnungszugang von rund 45’000 Einheiten, für 2027 mit rund 50’000. Zum Vergleich kamen 2024 laut Bundesamt für Statistik unter dem Strich 40’000 Wohnungen hinzu. Für 2025 schätzt Wüest Partner den Wert sogar nur auf 39’000. Das wäre der tiefste Stand seit 2009. Die Trendwende im Neubau ist damit real, sie fällt aber zu klein aus, um das aufgelaufene Defizit am Wohnungsmarkt rasch abzubauen.

Die Studie spricht deshalb von Entspannung ohne Entwarnung. In rund der Hälfte der Kantone liegt die Bautätigkeit weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt. Besonders in den grossen Zentren dürfte die Knappheit laut den ausgewerteten Prognosen bestehen bleiben. Auch für 2028 zeichnet sich vorerst keine weitere Beschleunigung ab, weil die aktuell registrierten Baugesuche noch kein stärkeres Nachziehen der Produktion signalisieren.

Verdichtung bleibt der Engpass
Der zentrale Flaschenhals ist damit weniger die kurzfristige Projektpipeline als die langsame Innenentwicklung. Das Bundesamt für Raumentwicklung verweist selbst darauf, dass die Schweiz die Siedlungsentwicklung nach innen weiter vorantreiben muss. Wüest Partner sieht zwar Fortschritte in einzelnen Gemeinden. Genannt werden Dübendorf und Bülach im Kanton Zürich sowie Basel mit mehreren Wohnhochhausprojekten. Diese Beispiele zeigen, dass Verdichtung zusätzlichen Wohnraum schaffen kann, auch wenn Verfahren und Realisierung deutlich mehr Zeit beanspruchen.

Für Entwickler, Investoren und Gemeinden ist die Botschaft ungemütlich. Mehr Neubau kommt, aber der Markt bleibt knapp, solange Baureserven schwinden und Verdichtung politisch, planerisch und prozessual gebremst wird. Der jüngste Aufschwung lindert den Druck nur teilweise. Er löst ihn nicht.

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