Geroldswil verdrängt die Goldküste

Im Kanton Zürich sinken die Angebotsmieten innert Jahresfrist um 3,3 Prozent auf 2’340 Franken. Entlastung bringt das kaum, denn die Leerwohnungsziffer liegt weiter bei nur 0,48 Prozent und ausgerechnet Geroldswil führt wegen teurer Neubauten neu die kantonale Mietrangliste an.

Zürich, September 2026

Der Rückgang trifft vor allem jene Teilmärkte, die das Zürcher Preisniveau bisher besonders stark nach oben gezogen haben. In den Zentren sanken die ausgeschriebenen Mieten gegenüber dem Vorjahr um 6,0 Prozent, in einkommensstarken Gemeinden um 5,1 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Lücke zwischen Bestandes- und Angebotsmieten mit 24 Prozent gross, was Umzüge für viele Haushalte weiterhin verteuert.

Neubauten kippen die Rangliste
Die auffälligste Verschiebung zeigt sich auf Gemeindeebene. Geroldswil erreicht bei neu ausgeschriebenen Wohnungen eine mittlere Angebotsmiete von 3’450 Franken und liegt damit vor Rüschlikon mit 3’193 Franken und Küsnacht mit 3’180 Franken. Der Sprung erklärt sich laut der aktuellen Mietmarktanalyse vor allem durch einen hohen Anteil teurer Neubauwohnungen mit grossen 4-Zimmer-Grundrissen. Für Entwickler und Investoren ist das ein Hinweis, wie stark einzelne Neubaucluster die statistische Spitzenposition einer Gemeinde verschieben können.

Am unteren Ende der Skala liegt Feuerthalen mit einer mittleren Angebotsmiete von 1’590 Franken. Die Spannweite innerhalb des Kantons bleibt damit enorm, obwohl das allgemeine Mietniveau leicht nachgegeben hat. Für Bestandeshaushalte ist Zürich trotzdem die teuerste Region der Schweiz. Die durchschnittliche Bestandesmiete liegt bei 1’768 Franken.

Kleine Wohnungen ziehen an
Je nach Wohnungsgrösse läuft der Markt in verschiedene Richtungen. Während 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen weitgehend stabil blieben, verteuerten sich 1-Zimmer-Wohnungen um 3,8 Prozent. Wohnungen ab fünf Zimmern wurden dagegen um 2,6 Prozent günstiger. Das spricht gegen eine breite Entspannung und eher für eine Verschiebung innerhalb knapper Teilsegmente.

Tiefer Leerstand bremst die Entlastung
Die strukturelle Knappheit bleibt im Kanton Zürich der entscheidende Preistreiber. Gemessen per 1. Juni 2025 lag die Leerwohnungsziffer bei 0,48 Prozent. Das ist weiterhin einer der tiefsten Werte der Schweiz und klar unter dem Landeswert von 1,0 Prozent. Schweizweit sanken die Angebotsmieten in der analysierten Periode erstmals seit 2019/20 wieder leicht. Besonders stark war der Rückgang im Tessin mit minus 10,9 Prozent, während die Zentralschweiz mit plus 2,3 Prozent und die Ostschweiz mit plus 1,4 Prozent weiter zulegten.

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