Schlieren macht, wovon andere reden
Innovation ist kein Zufall. Sie braucht Platz, Nähe und einen Standort, der mehr tut, als gute Absichten zu formulieren. Genau hier setzt Schlieren an. Mit dem Innovations- und Jungunternehmerzentrum IJZ stellt die Stadt jungen Firmen und bereits ansässigen KMU Flächen an zentraler Lage bereit und macht aus Wirtschaftsförderung ein sichtbares, begehbares Versprechen.
Über Innovation wird gern in grossen Worten gesprochen. Über Mut, Erfindergeist und Wettbewerbsfähigkeit. Doch junge Unternehmen scheitern oft nicht an Ideen, sondern an einer viel banaleren Frage. Wo können sie überhaupt anfangen. Wo finden sie Räume, die erreichbar sind, bezahlbar bleiben und Wachstum zulassen. Schlieren gibt darauf eine Antwort, die so schlicht wie wirksam ist. Die Stadt stellt Flächen bereit, in denen Startups und gewachsene KMU in einem innovativen Umfeld aufeinandertreffen.
Genau darin liegt die Stärke des Innovations- und Jungunternehmerzentrums IJZ. Es ist kein abstraktes Förderprogramm und keine wolkige Vision. Es ist ein konkreter Ort an der Rütistrasse 12 bis 16, wenige Gehminuten vom Bahnhof Schlieren entfernt.
Der Ort als unterschätzter Erfolgsfaktor
In der Startup-Erzählung stehen meist Gründerfiguren und Investoren im Vordergrund. Der Ort kommt oft erst später vor. Dabei ist er entscheidend. Wer Talente anziehen, Partner treffen und Kundschaft empfangen will, braucht einen Standort, der funktioniert. Das IJZ liegt beim Bahnhof, dort, wo Taktung, Erreichbarkeit und urbane Energie zusammenkommen.
Die Office- und Werkstattflächen sind in unterschiedlichen Grössen verfügbar, von 50 bis 1’500 Quadratmetern und sind derzeit zu 100 Prozent vermietet. Die Mietansätze liegen je nach Ausbau im unteren bis mittleren Band pro Quadratmeter und Jahr, zuzüglich Neben- und Heizkosten. Für junge Firmen ist das keine Randnotiz, sondern ein handfester Standortfaktor.
Schlieren versteht, was Gründer und KMU brauchen
Bemerkenswert ist nicht nur das Angebot, sondern die Haltung dahinter. Schlieren hat das IJZ nicht zufällig erhalten, sondern politisch gewollt aufgebaut. Die Stadt erkannte in wenig bewirtschafteten Geschäftshäusern an bester Bahnhofslage eine Chance für ihre Wirtschaftsstrategie. 2012 stimmte das Gemeindeparlament dem Kauf der Liegenschaften zu, 2013 zogen die ersten Firmen ein. Bis zum Jubiläumsjahr investierte die Stadt insgesamt 22 Millionen Franken in Kaufpreis und Innenausbauten des IJZ.
Das ist die eigentliche Geschichte. Eine Stadt wartet nicht darauf, dass Innovation irgendwo von selbst entsteht. Sie schafft die räumlichen Voraussetzungen dafür. Nicht Hochglanz. Nicht Symbolik. Sondern Quadratmeter in einem Markt, in dem genau diese Quadratmeter für junge Firmen oft knapp sind.
Aus Fläche wird Dichte
Wie stark dieses Modell wirkt, zeigen die Zahlen. Zum zehnjährigen Jubiläum war im IJZ von rund 17’000 Quadratmetern, 47 eingemieteten Firmen und 420 Arbeitsplätzen die Rede. Rund 70 Prozent der Unternehmen sind in Forschung und Entwicklung tätig. Viele davon sind Ausgründungen der ETH Zürich oder der Universität Zürich.
Wo junge Unternehmen Tür an Tür arbeiten, entsteht mehr als eine Ansammlung von Mietverträgen. Es entsteht ein Wirkungskreis. Im IJZ sind neben Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben auch Akteure wie Start Smart Schlieren und der Healthtechpark Zürich-Schlieren präsent. Das verdichtet Kontakte, verkürzt Wege und stärkt einen Standort, der sich als Startup City positioniert.
Das IJZ ist Teil einer grösseren Bewegung
Wer das IJZ isoliert betrachtet, unterschätzt seine Wirkung. Schlieren baut seit Jahren systematisch an seinem Wirtschaftsstandort. Die Standortförderung versteht sich als Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Sie berät Firmenansiedlungen, vermittelt Büro- und Gewerberäume und entwickelt Strategien für untergenutzte Areale. Das IJZ passt exakt in diese Logik.
Diese Strategie zeigt Wirkung. Die Zahl der juristischen Personen ist seit Ende der Neunzigerjahre von rund 650 auf heute etwa 1’440 Unternehmen angestiegen. Die Cluster Biotechnologie und Startup City wurden weiter vernetzt und gestärkt. Im IJZ sind heute über 57 Startups und KMU mit mehr als 500 Arbeitsplätzen ansässig. Der Bedarf an Büro- und Laborflächen in beiden Clustern bleibt hoch.
Schlieren wächst nicht bloss, sondern lernt mit seinem Wachstum umzugehen. Die Stadt erkennt den Flächenbedarf nicht erst, wenn er zum Problem wird. Mit dem IJZ hat sie ein Instrument in der Hand, das Nachfrage aufnimmt, Firmen bindet und Entwicklung kanalisiert. Ein Beispiel dafür, wie Standortpolitik im Kleinen grosse Wirkung entfalten kann.
Kein Hype, sondern Handwerk
Das IJZ erzählt keine Gründungsromantik. Es zeigt etwas Bodenständigeres und damit Wertvolleres. Innovation braucht Verwaltung, Eigentum, politische Entscheide und Flächenmanagement. Gerade weil der öffentliche Diskurs so oft auf Schlagworte setzt, wirkt das Modell Schlieren fast provokativ. Es ist konkret, es ist nachvollziehbar, und es ist messbar.
Die Stadt Schlieren stellt mit dem IJZ nicht einfach Räume zur Verfügung. Sie senkt die Eintrittshürde, schafft Nähe zum Bahnhof und konzentriert junge Firmen an einem Ort. Sie stärkt ein Umfeld, in dem Forschung, Unternehmertum und Wachstum zusammenfinden können. Wer wissen will, wie kommunale Standortförderung im 21. Jahrhundert aussehen kann, findet in Schlieren keine Theorie. Sondern einen funktionierenden Versuch mit klarer Richtung.
Ein Energieort für die Zukunft
Das Innovations- und Jungunternehmerzentrum ist auch energetisch ein Kraftort. 2022 wurde auf dem Dach eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 350 Kilowatt installiert, die einen wesentlichen Teil des Strombedarfs der rund 500 Arbeitsplätze deckt. Bereits 2021 wurde das Zentrum an die Fernwärme des ewz angeschlossen. Damit basiert die Wärmeversorgung heute weitgehend auf erneuerbarer Energie.
Text: Sabine Billeter • Bilder: Stadt Schlieren