Eine Region verwandelt ihren Müll in Wärme
Das Limmattal produziert Energie aus dem, was andere wegwerfen. Limeco verwandelt Abfall und Abwasser in CO²-neutrale Wärme und speist damit bereits heute über 1600 Liegenschaften. Das Netz wächst, die Zahlen stimmen und die grössten Schritte stehen noch bevor.
Abfall als Energiequelle
Für das Bundesamt für Energie ist klar, Abwärme aus der Kehrichtverwertung gilt als CO2-neutral. Limeco nutzt genau diese Voraussetzung. Die Abwärme der KVA Dietikon fliesst als Regiowärme in Haushalte und Unternehmen der Region. 2025 lieferte das Netz 173 Gigawattstunden, sparte dabei 58’300 Tonnen CO2 ein und wuchs um 10,8 Kilometer auf neu 74,3 Trassekilometer. Das entspricht rund 323 vollbeladenen Heizöltransportern, die nie fahren mussten. Mehr als 1600 Gebäude sind heute angeschlossen.
Wasser als zweite Energiequelle
Die Fernwärme kommt nicht nur aus dem Kamin der KVA. Auch die Abwasserreinigungsanlage liefert Energie. Abwasserwärme speist bereits heute das Fernwärmenetz im Dietiker Stadtteil Limmatfeld. Die ARA Dietikon ist nach Zürich und Winterthur die am drittstärksten belastete Anlage des Kantons und gleichzeitig eine unterschätzte Energiequelle. Abfall und Abwasser zusammen machen das Limmattal unabhängiger von fossilen Brennstoffen, als viele glauben.
Netz wächst, Ziel ist klar
Im Endausbau 2045 soll das Fernwärmenetz auf über 84 Kilometer anwachsen und rund 260 Gigawattstunden jährlich abgeben. Damit zählt Limeco im Endausbau zu den zehn grössten Fernwärmenetzen der Schweiz. Die CO2-Einsparung übersteigt dann 60’000 Tonnen pro Jahr, das entspricht rund 25 Millionen Litern Heizöl. Das Limmattal wächst bis 2050 auf rund 130’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Infrastruktur dafür entsteht jetzt.
Strom speichern, wenn er im Überfluss fliesst
Das System denkt über Wärme hinaus. Limeco betreibt bereits heute die schweizweit erste industrielle Power-to-Gas-Anlage. Dabei wird überschüssiger erneuerbarer Strom in speicherbares CO2-neutrales Methangas umgewandelt. Das Gas wird in das Gasnetz eingespeist und kann bei Bedarf wieder in Strom umgewandelt werden. Ergänzt wird das durch 624 Solarpanels auf dem ARA-Dach, die Ökostrom direkt vor Ort produzieren. Wer Energie nicht nur erzeugt, sondern auch speichert, hat die Energiewende wirklich verstanden.
Resilienz als Systemprinzip
Das Limmattal soll nicht nur sauber versorgt werden, sondern auch sicher. Das LEZ Limmattaler Energiezentrum ist ein Multi-Energy-Hub. Verschiedene Anlagen, Technologien und Energien werden vernetzt, damit Wärme, Strom und Gas zur richtigen Zeit am richtigen Ort und in der richtigen Menge und Qualität zur Verfügung stehen. Was heute noch Zukunft klingt, ist bereits in der Masterplanung 2050 verankert. Resilienz ist hier kein Marketingversprechen, sondern Systemarchitektur.
Drei Produkte, ein Prinzip
Angeschlossene Liegenschaften können zwischen drei Wärmeprodukten wählen, Standard, Pur und Pur+. Je nach ökologischem Anspruch und Budget lässt sich die Versorgung individuell gestalten. Das kantonale Energiegesetz, seit September 2022 in Kraft, gibt dem Systemwechsel von fossilen Heizungen auf Fernwärme zusätzlichen Rückenwind. Wer heute noch mit Öl heizt, tut das bald gegen das Gesetz.
Text: Sabine Billeter • Bilder: Limeco