Zürich und Lausanne schärfen das Tech-Profil
63 Prozent des Schweizer Risikokapitals fliessen laut Swiss Deep Tech Report 2026 in Deep Tech. Für Zürich, Lausanne und Basel stärkt das die Rolle als Forschungs und Unternehmensstandorte und erhöht den Druck auf Flächen, Talente und Wachstumsfinanzierung.
Die Schweiz bindet ihr Risikokapital stärker an Zukunftstechnologien als jedes andere Land. Der Swiss Deep Tech Report 2026 beziffert den Anteil von Deep Tech am gesamten Venture-Capital-Markt auf 63 Prozent. Für Immobilien- und Standortakteure ist das mehr als ein Start-up-Signal. Es stärkt die grossen Forschungsräume Zürich, Lausanne und Basel als Orte, an denen Labors, Entwicklungsflächen und wachstumsfähige Unternehmensstandorte zusammenkommen müssen.
Der Befund ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich der Schwerpunkt nicht nur auf einzelne Finanzierungsrunden stützt. Nach verfügbaren Angaben erreichte die Deep-Tech-Finanzierung in der Schweiz 2025 ein Rekordvolumen von 2,6 Milliarden Dollar. ETH Zürich und EPFL gelten dabei als besonders starke Quellen für neue technologiegetriebene Ausgründungen. Das verschiebt die Standortfrage: Entscheidend ist nicht mehr nur, wo geforscht wird, sondern wo junge Firmen nach der Gründung bleiben, skalieren und grössere Flächen nachfragen.
Cluster mit realer Flächenwirkung
Der Report beschreibt Zürich, Lausanne und Basel als Kern eines alpinen Technologieclusters. Im europäischen Vergleich wird dieser Raum als einer von nur wenigen Standorten eingeordnet, die bei Deep Tech international mithalten können. Für die Immobilienwirtschaft entsteht daraus ein konkreter Bedarf an spezialisierten Nutzungen. Gesucht sind nicht nur klassische Büros, sondern auch Labors, Pilotanlagen, produktionsnahe Entwicklungsflächen und Standorte mit Nähe zu Hochschulen, Kapital und Fachkräften.
Hinzu kommt eine strukturelle Verschiebung innerhalb des Ökosystems. KI und Machine Learning stehen inzwischen für einen grossen Teil der Neugründungen seit 2022, Robotik wächst ebenfalls deutlich schneller. Gleichzeitig bleibt Biotech ein tragender Sockel. Das spricht für eine breitere Nachfrage nach technisch ausgerüsteten Flächen, von Life-Science-Umgebungen in Basel bis zu forschungsnahen Arbeitsorten im Raum Zürich und in der Genferseeregion.
Kapital ist da, späte Runden bleiben heikel
Der Report zeigt zugleich eine Schwäche, die auch für Standorte relevant ist. Bei sehr grossen Finanzierungsrunden stammt der überwiegende Teil des Kapitals aus dem Ausland. Wenn Schweizer Investoren in späteren Wachstumsphasen zurückhaltender bleiben, erhöht das den Druck auf junge Firmen, ihre Internationalisierung eng mit Kapitalzugang zu verknüpfen. Für Standorte ist das heikel: Wer die Unternehmen halten will, muss nicht nur Forschung und Talente bieten, sondern auch Räume und Rahmenbedingungen für die Skalierung.
Dass Deep-Tech-Firmen nach verfügbaren Angaben häufiger in der Schweiz bleiben als noch vor wenigen Jahren, ist deshalb die eigentliche Nachricht hinter dem Kapitalanteil. Bleibt diese Entwicklung stabil, wird aus dem Forschungsstandort noch stärker ein Markt für spezialisierte Immobilien, Campusstrukturen und technologieorientierte Quartiersentwicklung.