Wer zahlt, wer wohnt, wer profitiert?

Wie sozial sind Schweizer Immobilienportfolios wirklich? Bislang blieb diese Frage ein Streitthema ohne Datenbasis. Der SOSDA Benchmark 2025 ändert das grundlegend. Erstmals liefert ein empirisches Framework belastbare Zahlen zur sozialen Performance von Wohnimmobilien. Die Erkenntnisse sind teils ermutigend, teils unbequem.

März 2026

Das von Zimraum und Stratcraft entwickelte SOSDA-Framework erfasst die soziale Performance von Wohnimmobilien entlang von neun Kennzahlen in drei Scopes, Mieter, Nachbarschaft und Gesellschaft. Der Datenpool umfasst 30 Portfolios mit rund 68’500 Wohnungen von 17 Eigentümerinnen. Darunter Pensionskassen, Anlagestiftungen, kotierte Fonds und gemeinnützige Wohnbauträger. Eine Datenbasis, die erstmals Vergleiche ermöglicht.

Bezahlbarkeit hält sich besser als erwartet
78 Prozent der Wohnungen im Datenpool gelten gemäss SOSDA-Definition als bezahlbar. Die Nettomiete macht weniger als ein Drittel des monatlichen steuerbaren Medianeinkommens in der jeweiligen Gemeinde aus. Selbst im Neubausegment liegt dieser Wert bei 58 Prozent. Bei institutionellen Portfolios erreichen 48 Prozent der Neubauwohnungen diesen Schwellenwert. Das widerspricht dem verbreiteten Bild, wonach Neubau und Bezahlbarkeit sich grundsätzlich ausschliessen.

Hohe Zufriedenheit, solide Verwaltungsqualität
Die Mietzufriedenheit ist bemerkenswert hoch. 90 Prozent der Befragten sind mit ihrer Wohnung eher bis sehr zufrieden. 83 Prozent geben auch ihrer Liegenschaftsverwaltung gute Noten. Das Wohnumfeld überzeugt ebenfalls. 85 Prozent sind mit ihrer Nachbarschaft zufrieden, 77 Prozent bewerten die nachbarschaftlichen Verhältnisse positiv. Qualität ist im Schweizer Wohnungsmarkt offensichtlich kein Zufallsprodukt.

Familienwohnungen bleiben unterbelegt
Beim Thema Belegungseffizienz offenbart der Benchmark eine strukturelle Schwäche. Nur 58 Prozent der Wohnungen erfüllen die «Zimmer minus 1»-Regel. Bei Familienwohnungen mit vier und mehr Zimmern sinkt dieser Anteil auf 41 Prozent. Gemeinnützige Portfolios schneiden bei Familienwohnungen zwar leicht besser ab als institutionelle, der Unterschied bleibt aber gering. Hier liegt ein klares Optimierungsfeld für alle Marktteilnehmer.

Vermietungspraxis unter der Lupe
Erstmals dokumentiert der Benchmark auch, an wen Wohnungen tatsächlich vermietet werden. Die Bandbreite ist erheblich. Je nach Portfolio gingen zwischen 46 und 100 Prozent der Familienwohnungen an Haushalte mit Kindern. Nur 9 Prozent der Wohnungen wurden an Senioren vermietet. Der Anteil preisgünstiger Wohnungen, der an Haushalte mit tiefen Einkommen floss, variiert zwischen 30 und 50 Prozent. Die Datenbasis ist noch limitiert, aber die Richtung ist klar. Soziale Performance lässt sich künftig nicht mehr wegdiskutieren.

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