Vom Baukonzern an die Bahnspitze
Die Schweizer Bundesbahnen haben an ihrer Generalversammlung vom 29. April 2026 einen neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt. André Wyss, früherer CEO von Implenia, tritt in grosse Fussstapfen – und bringt ein Profil mit, das bei der SBB so noch nicht dagewesen ist. Was er vorhat und warum seine Wahl mehr als eine Personalie ist.
Monika Ribar hinterlässt nach zwölf Jahren im Verwaltungsrat, zehn davon als Präsidentin, eine Institution, die sich verändert hat. Die Amtszeitbeschränkung beendete ihr Engagement, nicht der Wille. Zusammen mit ihr scheiden Vizepräsident Pierre-Alain Urech, Georg Kasperkovitz und Clara Millard Dereudre aus dem Gremium aus.
Ein Quereinsteiger mit System
André Wyss ist 1967 geboren, hat nach einer Lehre als Chemikant berufsbegleitend ein Wirtschaftsstudium absolviert und sich an der Harvard Business School weitergebildet. Bevor er 2018 als CEO zu Implenia wechselte, trug er bei Novartis Verantwortung für rund 40 000 Mitarbeitende. Damit bringt er 40 Jahre Führungserfahrung in der Bau-, Immobilien- und Pharmaindustrie in sein neues Amt. Seit August 2024 ist er bereits Mitglied des SBB-Verwaltungsrats, die Übergabe lief also geordnet.
Bau trifft Bahn
Was auf den ersten Blick wie ein ungewöhnlicher Karriereschritt wirkt, ergibt bei näherer Betrachtung Sinn. Die SBB ist nicht nur Bahnbetreiberin, sie ist auch eine der grössten Immobilieneigentümerinnen der Schweiz. Wyss kennt komplexe Infrastrukturprojekte, nachhaltige Baudurchführung und die politischen Rahmenbedingungen in der Schweiz aus erster Hand. Der Bundesrat sah in ihm genau deshalb den richtigen Kandidaten.
Stabiler Kurs, neue Impulse
Wyss hat klar kommuniziert, was er will, die SBB als modernes und nachhaltiges Rückgrat der Schweiz weiterentwickeln, mit Fokus auf Stabilität und Innovation. Die SBB verfolgt ihrerseits das Ziel, bis 2030 klimaneutral zu sein. Wyss und die neue Verwaltungsrats-Zusammensetzung setzen genau dort an.
Vier Neue stärken das Gremium
Gleichzeitig mit Wyss wurden vier neue Mitglieder in den Verwaltungsrat gewählt, Anna Barbara Remund, Dino Cauzza, Dominique Pierre Locher und Maria-Antonella Bino. Sie sollen das Gremium fachlich ergänzen und neue Impulse einbringen, ohne den Kurs zu verlassen. Die Konstituierung des Verwaltungsrats erfolgte direkt im Anschluss an die Generalversammlung in Bern.