Solothurn erhält eine neue Kehrichtverwertungsanlage

Emmenspitz in Zuchwil, August 2021

Die neue Kebag Enova entsteht bis 2025 im Emmenspitz in Zuchwil und wird nicht nur moderner, sondern auch energieeffizienter.

Die Kebag in Zuchwil entsorgt jährlich 221’000 Tonnen Abfall und versorgt die Region mit Fernwärme und Strom. Sie ist der drittgrösste Kehrichtverwertungsbetrieb der Schweiz. Aus den 1178 Gemeinden der Kantone Bern und Solothurn stammen 85 Prozent der Abfälle. Allerdings wird das Werk im 2025 bereits 50 Jahre alt – und stösst damit an seine Altersgrenze. Um die umweltverträgliche Entsorgung auch in Zukunft sicherzustellen, ist eine neue Anlage unumgänglich. Denn mit zunehmendem Alter häufen sich Ausfälle, die zu teuren Betriebsunterbrüchen und Entsorgungsengpässen führen, wie das Unternehmen auf seiner Webseite schreibt.

Der Betrieb im Emmenspitz ist bereits heute der grösste Stromproduzent der Region. Schweizweit wird hier der grösste Anteil an elektrischer Energie aus dem Kehricht gewonnen. Die geplante Anlage namens Kebag Enova kann in Zukunft dank neuster Technik bis zu 15 Prozent mehr Energie aus derselben Menge Abfall gewinnen. Ein spezieller Gewebefilter und eine mehrstufige Rauchgasreinigung führen zu einer fast vollständigen Reduktion der Schadstoffe. Die Investitionskosten belaufen sich auf 450 bis 500 Millionen Franken. Doch ganz ohne Kompromisse kann der Neubau nicht umgesetzt werden: 11’000 Quadratmeter Wald mussten gerodet werden. Die Kebag leistet als Kompensation im gleichen Umfang Ersatzaufforstungen an anderen Orten im Kanton Solothurn.
Die Firma TBF+Partner AG aus Zürich wurde mit dem Planungsmandat beauftragt. Den Architekturwettbewerb konnte im 2017 die Penzel Valier AG für sich entscheiden. Die Kebag Enova wird zwei statt bislang vier Verbrennungslinien aufweisen. Dafür sind grössere Ofenlinien vorgesehen, die für mehr Energieeffizienz sorgen. Die Gebäudehülle wird mit Solarpanels bestückt und dadurch die zurzeit grösste Photovoltaik-Fassadenanlage der Schweiz. Der Kamin ist seitlich an den Bau angegliedert und ragt 80 Meter in die Höhe. An der Spitze dieses Betonschaftes befindet sich ein Aussichtsraum.

Die eine oder andere Herausforderung galt es aber vorgängig zu bewältigen: Eine bedeutende Änderung musste 2018 bei der Kühlung vorgenommen werden. Seit jeher nutzt die Kebag die Flusswasserkühlung. Die Kühlung ist massgebend, damit die Stromproduktion und die dazu benötigte Dampfverwertung möglich sind. Durch die revidierte Gewässerschutzverordnung, die Mitte 2018 in Kraft trat, hat man sich beim Neubau für eine Luft- statt eine Flusswasserkühlung entschieden. Zudem erwies sich der Baugrund bei einer Prüfung als zu wenig stabil für die Kebag Enova. Dank einer Pfahl-Platten-Fundation konnte auch dieses Problem gelöst werden.

2019 wurde schliesslich das Baugesuch eingereicht. Der Spatenstich erfolgte am 7. Mai 2020. Die Inbetriebnahme ist auf Anfang 2025 geplant.

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