Rückkehr der wilden Wasser am Schänzli
Mit dem Schänzli-Areal startet Muttenz das Leuchtturmprojekt für ökologische Stadtentwicklung und nachhaltigen Naturraum. Das Siegerprojekt «Aqua fera» bringt die Birs zurück ins Leben und schafft ein innovatives Quartier am Tor zu Basel.
Das Schänzli-Areal markiert den Beginn einer neuen Ära der Landschaftsplanung an der Birs. Das Siegerprojekt «Aqua fera» von Berchtold.Lenzin Landschaftsarchitekten, Versaplan und Holinger befreit den Fluss aus seiner starren Form und schenkt ihm Bewegungsfreiheit. Flachwasserzonen, Niederwasserrinnen und naturnahe Ufer schaffen Lebensräume für Fische, Vögel und Amphibien, stärken den Grundwasserschutz und machen die Auenlandschaft wieder erlebbar.
Besucherlenkung über Holzstege, Asthaufen und definierte Wege schützt sensible Bereiche, während Buvette und kleine Veranstaltungsflächen beim nördlichen Zugang Raum für Begegnung bieten. Gegen Süden wird das Gelände leiser, geht in das Schutzgebiet Vogelhölzli über und eröffnet neue Perspektiven auf eine revitalisierte Birs. Lärmschutzwälle entlang der Autobahn schirmen die Flächen ab und bilden zugleich eine neue Verbindung ins Käppeli-Quartier.
Stadt am Fluss
Direkt an das Naturareal grenzt das neue Quartier Am Schänzli. Drei Hochhäuser mit rund 400 Wohnungen, Büros, Gastronomie und Freizeitnutzungen formen mit grosszügigen Freiflächen und Gewerbeflächen ein lebendiges Stadtfragment am Eingangstor zu Basel. Die Überbauung erfüllt den SNBS-Gold-Standard, setzt auf Photovoltaik, Wärmerückgewinnung, begrünte Dächer und eine kompakte Bauweise mit Biodiversitätszonen zwischen den Gebäuden.
Die Mobilitätsstrategie priorisiert den Langsamverkehr. Velo-, Fuss- und Tramverbindungen vernetzen das Quartier mit Basel-Stadt, dem Naherholungsraum Birspark und den Hagnau-Arealen. Das Prinzip «Freiraum durch Dichte» zeigt hier seine Kraft mehr Lebensqualität durch verdichtetes, klug organisiertes Bauen.
Kooperation und Umsetzung
Finanziert wird die Arealentwicklung über Mehrwertabgaben der Grundeigentümer in Hagnau und durch öffentlich-private Kooperation mit der Gemeinde Muttenz. Der Quartierplanprozess, nach intensiver Mitwirkung der Bevölkerung verabschiedet, bildet die Grundlage für eine abgestimmte Gesamtentwicklung von Hagnau Ost, Hagnau West und dem Schänzli-Areal.
Der Baustart für die Hochhäuser erfolgte im Frühling 2025, die Realisierung erfolgt etappenweise bis 2029. Während Am Schänzli wächst, bleibt der südliche Flussraum unbebaut und entwickelt sich zum Rückgrat eines zusammenhängenden Grün-Netzes zwischen Stadt und Landschaft.
Zukunftsmodell für Stadt und Natur
Das Schänzli-Projekt steht sinnbildlich für die neue Generation schweizerischer Stadtentwicklung: ökologisch regenerativ, architektonisch präzis, sozial integriert. Es beweist, dass ökonomische Nutzungsdichte und ökologische Vielfalt sich nicht ausschliessen, sondern gegenseitig stärken können.
Mit «Aqua fera» wird die Birs nicht nur renaturiert, sie wird in den urbanen Alltag zurückgeführt. Muttenz zeigt damit, wie durch vorausschauende Planung Freiraum, Klimaresilienz und urbane Lebensqualität in Einklang gebracht werden können. Das Schänzli wird zum lebendigen Übergang zwischen Stadt und Natur und zu einem kraftvollen Symbol für die Rückkehr der wilden Wasser.