Privatbanken wachsen, doch der Margendruck steigt

Mit 3,5 Billionen Franken erreichen Schweizer Privatbanken 2025 ein neues Vermögenshoch. Gleichzeitig frisst der Kostenanstieg die Erträge auf, vor allem bei mittelgrossen Instituten. Das erhöht den Konsolidierungsdruck in einem für Vermögensstandorte wichtigen Teil des Finanzplatzes.

Juni 2026

Schweizer Privatbanken verwalteten 2025 nach verfügbaren Angaben rund 3,5 Billionen Franken und damit so viel Vermögen wie nie zuvor. Für den Finanzplatz ist die Bestmarke jedoch kein reiner Erfolgsausweis. Denn parallel zum Wachstum geraten die Margen unter Druck, besonders bei mittelgrossen Häusern. Genau dort, wo Grösse für Technik, Regulierung und Vertrieb oft noch nicht reicht, steigen die Kosten schneller als die Erträge.

Der Kern der neuen Branchenstudie ist damit klar: Mehr verwaltetes Vermögen bedeutet nicht automatisch bessere Ertragskraft. Netto-Neugelder von 96 Milliarden Franken und ein positiver Performancebeitrag von 81 Milliarden Franken haben das Volumen 2025 zwar stark erhöht. Doch steigende Kosten und tiefere Zinserträge drückten die Profitabilität. Der Branchenumsatz legte nur leicht auf 21,6 Milliarden Franken zu, während die Kostenbasis stärker wuchs.

Mittelgrosse Banken unter Druck
Besonders auffällig ist der Einbruch bei mittelgrossen Instituten. Deren Gewinn sank 2025 um rund 46 Prozent. Gleichzeitig stieg das Kosten-Ertrags-Verhältnis im Sektor im Median von 75,6 auf 78,2 Prozent. Für den Markt ist das mehr als eine Bankengeschichte. Der Druck auf Geschäftsmodelle, Standorte und Skaleneffekte nimmt zu. Wer zusätzliche Regulierung, IT-Ausgaben und Prozessumbauten nicht auf mehr Volumen verteilen kann, wird schneller zum Übernahmekandidaten.

Die Konsolidierung hat denn auch sichtbar Fahrt aufgenommen. 2025 sank die Zahl der Privatbanken in der Schweiz von 85 auf 80 Institute. Bis Ende Mai 2026 fiel sie weiter auf 79. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die schon in der Vorjahresstudie angelegt war. Bereits damals wurde erwartet, dass die Zahl der Institute unter 80 sinken würde. Für klassische Vermögensverwaltungsstandorte bedeutet das: weniger eigenständige Plattformen, mehr Zusammenschlüsse und ein schärferer Wettbewerb um Berater, Kundengelder und betriebliche Effizienz.

KI bleibt vorerst ein Strukturthema
Erstmals rückt auch der KI-Einsatz in den Vordergrund. Viele Institute testen Anwendungen zur Produktivitätssteigerung, doch der betriebswirtschaftliche Effekt bleibt vorerst klein. Nur ein kleiner Teil investierte 2025 mehr als 500’000 Franken in KI, und die Mehrheit rechnet kurzfristig mit kaum messbaren Einsparungen oder zusätzlichen Erträgen. Für die Branche heisst das: Die Technologie verändert die strategische Agenda, löst aber das aktuelle Profitabilitätsproblem noch nicht.

Für die Immobilienwirtschaft ist das Thema indirekt relevant. Der Schweizer Finanzplatz bleibt ein zentraler Standortfaktor für hochwertige Büroflächen, urbane Dienstleistungscluster und vermögensnahe Ökosysteme. Wenn sich die Privatbankenlandschaft weiter verdichtet, verändert das nicht sofort den Markt, aber es verschiebt mittelfristig die Anforderungen an Grösse, Lage und betriebliche Infrastruktur an den führenden Finanzstandorten.

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