Netzwerk 6G Europa gestaltet digitalen Umbruch
Von energieeffizienten Netzwerken bis zur drahtlosen Echtzeitkommunikation: Forschende und Hochschulen in Europa treiben die Entwicklung künftiger Kommunikationstechnologien mit Hochdruck voran. Das Fraunhofer IPMS und die OTH Regensburg liefern mit innovativen Ansätzen für Time-Sensitive Networking, Li-Fi und 6G zentrale Bausteine für eine vernetzte, sichere und ressourcenschonende Zukunft – mit konkretem Nutzen für Industrie, Mobilität und Medizin.
Die drahtlose Übertragung zeitkritischer Daten galt bislang als technische Hürde, insbesondere in industriellen Anwendungen mit hohem Sicherheitsanspruch. Das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme hat nun eine Lösung entwickelt, die neue Massstäbe setzt. Ein modulares Testbed für Time-Sensitive Networking, das Echtzeitanalyse mit energieeffizientem Betrieb verbindet und erstmals drahtlose Datenübertragung über Li-Fi ermöglicht.
Li-Fi nutzt Licht für die Datenübertragung und bietet hohe Geschwindigkeit, geringe Latenz und hohe Zuverlässigkeit. Ideale Voraussetzungen für den mobilen Einsatz autonomer Roboter oder Maschinen in Fabrikhallen. In Kombination mit TSN entsteht so eine Infrastruktur, die nicht nur flexibler, sondern auch robuster und kosteneffizienter ist. Aufwendige Verkabelungen werden überflüssig, ohne Einbussen bei der Datensicherheit.
Energieeffizienz als Schlüsselfaktor
Ein zentrales Thema der Entwicklung war der Energieverbrauch. Gerade in mobilen Anwendungen ist die Energieeffizienz entscheidend für die Betriebsdauer. Mit dem neuen Testbed bietet das Fraunhofer IPMS erstmals eine realitätsnahe Vergleichsgrundlage für TSN-Netzwerke und deren Energieverbrauch.
Ziel ist es, durch gezielte Optimierung die Einsatzzeit von Geräten zu verlängern und gleichzeitig die Belastung von Infrastrukturen zu senken. Unterstützt wird dies durch TSN-Standards wie IEEE 802.1AS, die für hochpräzise Zeitsynchronisation und redundante Datenpfade sorgen – essenziell für sicherheitskritische Szenarien.
Forschung für 6G
Auch an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg wird an der Zukunft der digitalen Kommunikation gearbeitet. Auf der renommierten European Conference on Antennas and Propagation (EuCAP) 2025 präsentierten Professorin Dr. Susanne Hipp und ihr Team neueste Forschung zur Wellenausbreitung im 6G-Frequenzbereich jenseits von 100 GHz.
Verena Marterer erforscht dielektrische Eigenschaften von Textilien für smarte Sensoren im Gesundheitswesen. Franziska Rasp arbeitet an Antennenkonzepten für die Fahrzeugkommunikation, ein Kernelement für autonomes Fahren. Beide Projekte zeigen eindrucksvoll, wie breit und praxisnah die Anwendungsmöglichkeiten künftiger Mobilfunktechnologien sein werden.
6G als Plattform für die digitale Transformation
Mit der Einführung von 6G ab 2030 stehen enorme Veränderungen bevor. Übertragungsraten von bis zu 1’000 Gigabit pro Sekunde, extrem niedrige Latenzzeiten, massive Gerätedichte und neue Dienste wie immersive Umgebungen im Metaversum oder medizinische Fernversorgung in Echtzeit.
Europa positioniert sich aktiv. Mit Fraunhofer, Telekom, Vodafone und andere Akteure treiben die Grundlagenforschung voran. Deutschland fördert die Entwicklung mit über 700 Millionen Euro. Erste Pilotprojekte sind ab 2028 geplant. Neue Geräte, Chips und Frequenztechnologien werden die technische Basis bilden, mit KI, Cloud-Edge-Computing und Nachhaltigkeit als Leitlinien.
Europa erfindet die digitale Infrastruktur neu
Was bisher als Zukunftsmusik galt, wird Realität. Drahtlose Echtzeitkommunikation, energiesparende Netzwerke und ultrapräzise Hochfrequenztechnologie verschmelzen zu einer neuen Infrastrukturgeneration. Die Impulse aus Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer IPMS oder der OTH Regensburg belegen, dass Europa bereit ist, eine führende Rolle in der 6G-Ära einzunehmen, nachhaltig, intelligent und vernetzt.