Nachhaltigkeit verankert, Dialog stagniert

Die Vergaberechtsreform verändert sichtbar die DNA des öffentlichen Beschaffungswesens. Die Sommerausgabe 2025 des Vergabemonitors zeigt, Nachhaltigkeit ist inzwischen die treibende Kraft dieses Kulturwandels. Während Dialogverfahren und Varianten an Bedeutung verlieren.

November 2025

Im 2025 stieg der Anteil von Nachhaltigkeitskriterien bei öffentlichen Vergaben auf 47,6 Prozent. Ein Plus von 136 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit rückt der Fokus deutlich weg von rein preisorientierten Bewertungen hin zu qualitativen, lebenszyklusbezogenen Ansätzen.

Gleichzeitig stagnieren andere qualitative Kriterien bei 53,1 Prozent. Der Anteil von Dialogverfahren (1,1 Prozent) und zugelassenen Varianten (12,2 Prozent) hat sich gegenüber 2024 nahezu halbiert. Diese Entwicklung deutet auf eine Tendenz zur Vereinfachung im Verfahren hin, aber auch auf eine wachsende Unsicherheit vieler Beschaffungsstellen im Umgang mit offenen, kreativen Formaten.

Neue Perspektive auf den Kulturwandel
Erstmals beleuchtet der Bericht die „Treiber des Kulturwandels“. Die neue Auswertung misst, welche Indikatoren seit der Revision des Beschaffungsrechts auf Bundes- und Kantonsebene am stärksten zugenommen haben, gewichtet nach Modellqualität und Beobachtungszahl. Ein Fokus auf verlässliche Daten soll zeigen, wo nachhaltige Veränderung tatsächlich messbar ist.

Bund und Basel-Stadt als Vorreiter
Besonders dynamisch zeigt sich der Bund. Ende des zweiten Quartals 2025 erreichte er 46 Modellqualitätspunkte, mit Spitzenwerten bei Qualität, Nachhaltigkeit und Angebotsplausibilität. Hinter dem Bund folgt Basel-Stadt (34 Punkte), das trotz späterer Reformumsetzung überdurchschnittlich hohe Fortschritte verzeichnet. Bemerkenswert ist dort die Zunahme von Varianten entgegen dem nationalen Abwärtstrend.

Weniger Indikatoren, mehr Fokus
Der aktuelle Bericht wurde zudem methodisch verschlankt. Statt zehn umfasst er neu sieben Indikatoren. Innovation und Preisverlässlichkeit entfallen mangels belastbarer Daten, Projekt- und Ideenwettbewerbe werden gemeinsam bewertet. Damit liegt der Schwerpunkt klar auf jenen Faktoren, die den Kulturwandel tatsächlich stützen. Nachhaltigkeit, Qualität und Transparenz.

Trend zur Konsolidierung statt Öffnung
Die jüngsten Ergebnisse deuten auf eine Phase der Konsolidierung. Nachhaltigkeit hat sich etabliert, doch das dialogische Moment des neuen Beschaffungsrechts wird nur zögerlich genutzt. Während einzelne Gebietskörperschaften wie Basel-Stadt gezielt experimentieren, zeigt sich national ein Zurückfallen in traditionelle Muster.

Damit steht die Branche an einem Punkt, an dem die Reform nun vertieft gelebt wird. Eine echte Kulturveränderung wird sich erst dann voll entfalten, wenn Dialog, Variantenvielfalt und qualitative Bewertung als integrale Bestandteile strategischer Beschaffung verstanden werden.

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