Mietdaten geraten aus dem Takt

Schweizer Angebotsmieten steigen oder fallen je nach Messmethode. Während der Homegate-Mietindex für August 2026 im Jahresvergleich ein Plus von 1,8 Prozent ausweist, kommt eine neue Studie von newhome für Juli 2026 auf ein Minus von 1,7 Prozent.

Schweiz/Zürich/Tessin/Luzern/Graubünden, September 2026

Der Widerspruch entsteht vor allem im Modell. Der Homegate-Mietindex misst qualitätsbereinigte Angebotsmieten für neu ausgeschriebene und wiedervermietete Wohnungen und lag im August 2026 bei 133,6 Punkten. Gegenüber Juli sank der Wert zwar um 0,3 Prozent, gegenüber August 2025 blieb aber ein Plus von 1,8 Prozent bestehen.

Die von newhome publizierte ReMPA-Studie des Swiss Real Estate Institute verwendet dagegen den ungewichteten Durchschnitt der ausgeschriebenen Wohnungen. Sie erfasste für die Periode Juli 2025 bis Juli 2026 schweizweit einen Rückgang um 1,7 Prozent. Besonders stark fielen die Rückgänge im Tessin mit 10,9 Prozent und im Kanton Zürich mit 3,3 Prozent aus.

Zwei Indizes, zwei Marktbilder
Für Eigentümer, Investoren und Bewirtschafter ist der Unterschied entscheidend. Ein qualitätsbereinigter Index versucht Lage, Grösse und Ausstattung statistisch herauszurechnen. Ein einfacher Durchschnitt reagiert dagegen direkt auf Verschiebungen im Inseratemix. Wenn in teuren Regionen weniger und in günstigeren Märkten mehr Wohnungen ausgeschrieben werden, kann der Durchschnitt sinken, obwohl vergleichbare Objekte teurer werden.

Genau auf diesen Effekt weist newhome selbst hin. Das Portal räumt ein, dass die regionale Zusammensetzung der Inserate einen Teil des Rückgangs erklären könnte. Beziffert wird dieser Anteil in der veröffentlichten Mitteilung jedoch nicht. Gleichzeitig betont die Studie, dass Zürich trotz Rückgang im Jahresvergleich die teuerste Region des Landes bleibt.

Für den Markt zählt die Lesart
Die jüngsten August-Zahlen von Homegate deuten immerhin auf eine Abschwächung des Mietdrucks hin. Schweizweit gaben die Angebotsmieten gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent nach, und 21 von 26 Kantonen verzeichneten im Monatsvergleich tiefere Werte. Für den Markt heisst das aber nicht automatisch Entspannung. Die Jahreswerte bleiben positiv, während parallel die Leerwohnungsquote laut newhome auf tiefem Niveau liegt.

Für die Immobilienbranche liegt die eigentliche Nachricht deshalb weniger in einem scheinbaren Datenfehler als in der Aussagegrenze der Indizes. Wer Mieterträge, Standortattraktivität oder Vermarktungschancen beurteilt, muss derzeit genauer unterscheiden, ob ein Index Preisbewegungen vergleichbarer Wohnungen misst oder bloss die Zusammensetzung des aktuellen Inserateangebots abbildet.

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