Lugano gerät bei günstigen Mieten unter Druck

Lugano hat am 8. Oktober 2026 eine neue Wohnmarktstudie vorgestellt. Jetzt verlangt Stadträtin Tamara Merlo präzisere Antworten dazu, was eine tragbare oder günstige Miete konkret in Franken bedeutet und ob die geplanten PSE-Wohnungen diesen Anspruch überhaupt einlösen können.
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Lugano gerät bei günstigen Mieten unter Druck

Darum gehts

KI-generiert
  • Lugano soll tragbare Mieten in Franken konkret beziffern.
  • Tamara Merlo stellt die neue Wohnmarktstudie öffentlich infrage.
  • Auch die Mietzusagen beim PSE geraten unter Erklärungsdruck.

Der Auslöser ist eine städtische Studie, die zwei Massstäbe nebeneinanderstellt. Tragbar ist eine Miete demnach, wenn sie inklusive Nebenkosten höchstens 30 Prozent des Bruttoeinkommens beansprucht. Günstig im Marktvergleich ist sie, wenn die Nettomiete mindestens 25 Prozent unter dem Durchschnitt derselben Wohnungsgrösse liegt. Genau diese Trennung will Merlo nun in monatlichen Frankenbeträgen offengelegt haben.

Die Stadt Lugano hatte am 8. Oktober 2026 zwei neue Analysen zum Wohnungsmarkt publiziert. Eine davon untersucht den Wohnungsmarkt von 2019 bis 2025 und den Bedarf an Wohnungen mit moderater Miete. Damit liegt der politische Streit nicht bei einem alten Grundsatzpapier, sondern bei einer frisch präsentierten Datengrundlage, die nun praktische Folgen für Wohnpolitik und Projektentwicklung auslösen könnte.

Zwei Definitionen, viele offene Folgen
Brisant ist die Frage vor allem für Haushalte unterhalb der in der Studie simulierten Einkommensbeispiele. Merlo verlangt vom Stadtrat unter anderem Klarheit darüber, wie sich die Lage verändern würde, wenn die Belastungsgrenze nicht bei 30, sondern bei 25 Prozent des Bruttoeinkommens angesetzt würde. Für Eigentümer, Entwickler und Behörden ist das mehr als ein Rechenstreit. Je nach Definition verschiebt sich, wie gross das Segment der tatsächlich tragbaren Wohnungen in Lugano überhaupt ist.

Die Debatte greift ein älteres städtisches Raster wieder auf. In Unterlagen zur Wohnpolitik und bei kommunalen Sozialleistungen gelten Richtwerte von 1’420 Franken für eine Einzelperson, 1’670 Franken für zwei Personen und 2’004 Franken für drei oder mehr Personen, jeweils inklusive Nebenkosten. Diese Werte zeigen aber nur Obergrenzen für bestimmte Konstellationen und beantworten nicht automatisch, ob eine Wohnung für tiefere Einkommen tatsächlich erschwinglich bleibt.

PSE rückt ins Zentrum
Zusätzlichen Druck erzeugt das Thema beim Polo sportivo e degli eventi in Cornaredo. Dort hatte sich der private Partner laut Berichten Ende März 2026 bereit erklärt, rund 11 Prozent der Wohnfläche als Wohnungen mit Preisen etwa 10 Prozent unter dem Durchschnitt anzubieten. Genau hier setzt Merlos Nachfrage an. Sie will wissen, von welchem Durchschnitt die Stadt ausgeht, wie hoch die effektiven Mieten ausfallen würden und wie verbindlich diese Zusagen zeitlich abgesichert sind.

Für den Luganeser Wohnungsmarkt ist das heikel, weil eine pauschale Preisreduktion unter dem Marktdurchschnitt noch keine Antwort auf die Frage nach echter Tragbarkeit liefert. Wenn die Stadt ihre eigenen Begriffe nicht in konkrete Mietbeträge und Einkommensschwellen übersetzt, bleibt auch bei politisch sensiblen Grossprojekten offen, wie viel bezahlbares Wohnen am Ende tatsächlich entsteht.