Laufenburg baut Windmühlen am Bahnhof

Vis-à-vis des Bahnhofs Laufenburg entsteht ein Wohnensemble, das aus den Widersprüchen seines Ortes Kraft schöpft. Zwei versetzte Baukörper, eine üppige Grünschicht und über 30 Wohnungen . Das Büro AWW Architekten AG hat mit der Urben Seyboth AG einen eingeladenen Studienauftrag gewonnen, der weit mehr ist als ein weiteres Wohnbauprojekt. Auftraggeberin ist die Erne Entwicklung AG. Der Baustart steht noch aus, doch die Handschrift ist gesetzt.

Bild: aww Architekten AG, Projekt «Wohnüberbauung Schützegärte»

April 2026

Das Areal Schützegärte liegt an einer städtebaulich heiklen Stelle. Drei Strassen fassen es ein, ringsum treffen Bautypologien aus verschiedenen Jahrzehnten aufeinander. Genau dieses Chaos ist das Thema. AWW Architekten AG macht das «Gegensätzliche und Bilaterale» zur Grundlage des Konzepts. Die Architektur entsteht aus dem Spannungsfeld des Ortes, nicht gegen ihn.

Versetzt, gedreht, verankert
Zwei identische, viergeschossige Gebäudekörper bilden das Ensemble. Sie stehen nicht parallel, sondern versetzt und gedreht zueinander im leicht abschüssigen Terrain. Diese Positionierung ist kein ästhetischer Einfall, sondern eine präzise Reaktion auf Kantenbildung und Raumfluss gegenüber den Nachbarbauten. Ein Ensemble, das sich einfügt und gleichzeitig eigenständig bleibt. Die Gesamtgeschossfläche beträgt rund 4’600 Quadratmeter, das Bauvolumen rund 13’800 Kubikmeter.

Windmühle als Wohnmodell
Das architektonische Konzept basiert auf einer kompakten vierspännigen «Windmühlen»-Gebäudeform mit zentralem Treppenhauskern. Die auskragenden Flügel prägen die Fassade und nehmen Bezug auf typische Erkerformen im Quartier. Jede Wohnung ist dreiseitig ausgerichtet. Herzstück sind die «Vierjahreszeiten-Zimmer» mit grosszügige Räume, die als Wintergarten, Studio oder Wohn- und Essbereich nutzbar sind. Zusammen mit Loggien entsteht ein flexibles Raumangebot für unterschiedlichste Lebensentwürfe.

Grün, gemeinschaftlich, geerdet
Der Freiraum zwischen den Häusern ist bewusst niederschwellig gehalten. Zugänglich von innen und von der Strasse. Eine Grünschicht aus heimischen Sträuchern und Stauden schützt die Erdgeschosswohnungen und verleiht der Siedlung Charakter. An einer Ecke öffnet sich das Areal zu einer wiesenartigen Situation mit Obstbäumen.Eine Referenz an die lokale Tradition siedlungsnaher Obstgärten. Das Projekt denkt Wohnen und Gemeinschaft als Einheit.

Nächste Schritte offen
Die Stadt Laufenburg war nicht am Planungsprozess beteiligt. Stadtschreiber Marco Waser bestätigt, dass die Bauverwaltung lediglich die baurechtlichen Rahmenbedingungen vorgängig klärte. Eine Beurteilung seitens der Stadt liegt bislang nicht vor. Die Grundeigentümerin Erne Immo AG hat sich zum Zeithorizont der Umsetzung noch nicht geäussert.

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