Glattpark – oder wie aus einem Sumpf eine Stadt wird

Glattpark – oder wie aus einem Sumpf eine Stadt wird

Rund 670'000 m2 Rietland zu entwickeln – das ist keine einfache Aufgabe. Und doch: Wo noch vor wenigen Jahren Kühe weideten, steht heute ein neuer Stadtteil, der Bewohnern und Arbeitenden alles bietet, was von einem funktionierenden Quartier erwartet wird: der neue Opfiker Stadtteil Glattpark. In seiner Einmaligkeit hat der Glattpark Modellcharakter. Ein neues Buch zeichnet seine bewegte Geschichte detailliert und in allen Facetten nach; Best Practice für Standortentwickler, Architekten, Städte und Gemeinden, Grundeigentümer und Immobilien-Vermarkter.

Das Oberhauserriet – der heutige Glattpark – hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich. Mehr als vierzig Jahre dauerte die Planung der Bebauung des ehemaligen Sumpf- und Landwirtschaftsgebietes. Nach der Verabschiedung des Quartierplans 2001 nahm die Entwicklung jedoch Fahrt auf: In rasantem Tempo entstand auf der einst grünen Wiese ein neuer Stadtteil von Opfikon, mit aktuell rund 5780 Bewohnern und 3100 Arbeitsplätzen im Quartierplangebiet. Heute hat der Glattpark in seiner Einmaligkeit Modellcharakter. Ein neues Buch, das Mitte September erschien, zeigt Herausforderungen und Lösungen auf dem Weg von der Wiese zum Stadtteil auf und zeichnet die einzelnen Entwicklungsschritte nach.**

Einer Vision Leben einhauchen
Massgeblich zum Erfolg des Glattparks trug die Gründung einer bis dahin in der Schweiz einzigartigen Organisation im Jahr 2000 bei: ein Zusammenschluss mehrerer Grundeigentümer zu einem übergeordneten Gebietsmarketing, das für die Gesamtvermarktung des Oberhauserriets verantwortlich zeichnete. Ziel war es, eine gemeinsame Marke zu schaffen, von der wiederum alle Einzelprojekte profitieren würden. Die neue Organisation – das Gebietsmarketing Glattpark – sollte einerseits als Informationsdrehscheibe für die Grundeigentümer, die Medien und die breite Öffentlichkeit fungieren, andererseits sollte sie den einzelnen Grundeigentümern Marketing Services zur Verfügung stellen. Doch in erster Linie sollte sie einer Vision Leben einhauchen, denn im Oberhauserriet sollten nicht einfach Büros und Wohnungen entstehen – hier würde eine städtebauliche Vision realisiert werden. Die Kommunikation zum Entwicklungsgebiet erforderte deshalb eine Denkweise, die über die reine Bewerbung einzelner Projekte hinausging.

Marketingoffensive für eine Wiese
Angesichts des damals eher schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes muss die Gründung eines gemeinsamen Gebietsmarketings als mutig bezeichnet werden. Die Entwicklungen am Flughafen bzw. in Sachen Fluglärm, die ungewisse Realisierung der Glattalbahn – für den neuen Stadtteil ein nicht zu unterschätzender Standortvorteil –, aber auch die generell schwierige wirtschaftliche Lage liessen «grosse Würfe» schwierig erscheinen. Das Gebietsmarketing Glattpark war sich dieser Tatsache von Anfang an bewusst, sah jedoch die Gesamtqualität des Gebiets als Chance. Der Erfolg gab dem Gebietsmarketing schon bald recht: Die Organisation entwickelte sich dank umfassender Marketing- und Kommunikationsmassnahmen innert kurzer Zeit zur zentralen Informations- und Anlaufstelle für den neuen Stadtteil. Bei der Vermarktung des Gebiets ging es anfangs in erster Linie darum, die Vision sichtbar zu machen. Dazu setzte das Gebietsmarketing Glattpark einerseits auf Visualisierungen, andererseits auf ein grosses Modell, das laufend aktualisiert wurde. Im eigens eingerichteten Showroom konnten sich Interessierte und Investoren ein Bild des künftigen Stadtteils machen. Ergänzend bot eine umfassende Webseite zahlreiche Informationen. Events, Messeauftritte und klassische Medienarbeit ergänzten die Vermarktungsmassnahmen. Und schliesslich wurde aus dem ehemaligen Riet sogar eine Ortschaft: 2005 wurde der Glattpark offiziell zu einem eigenen Stadtteil mit der postalischen Anschrift «8152 Glattpark (Opfikon)». Angestossen wurde der Prozess von den Grundeigentümern: Diese waren richtigerweise überzeugt, dass die Postadresse «Glattpark» viel zur Markenbildung beitragen würde.

Koordination zwischen Grundeigentümern und Stadt
Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor für die Entwicklung des Glattparks war die enge Zusammenarbeit zwischen der Stadt Opfikon und den Grundeigentümern. Die Komplexität der Entwicklung eines neuen Stadtteils machte es auch auf Seite der Stadt Opfikon erforderlich, neue Organisationsformen zu schaffen: das Gebietsmanagement Glattpark. Die neue Organisation erhielt vom Stadtrat Opfikon den Auftrag, die strategische und operative Geschäftsführung im neuen Stadtteil zu übernehmen. Das Gebietsmanagement sollte die Bedürfnisse aller Verwaltungsabteilungen der Stadt, die den Glattpark betrafen, in den Entwicklungsprozess einbeziehen. Hauptaufgabe des Gremiums waren jedoch die übergeordnete Koordination und der Informationsaustausch unter den Beteiligten. Einsitz im Gebietsmanagement hatten Behördenvertreter, Verwaltungsangestellte, Grundeigentümervertreter sowie externe Spezialisten aus den Bereichen Raumplanung, Marketing, Betriebswirtschaft und Sozialwissenschaft.

Was das urbane Herz begehrt
Mit dem rasanten Baufortschritt im Glattpark belebte sich der neue Stadtteil rasch – und entwickelte dank der Gründung eines aktiven Quartiervereins, der Eigeninitiative engagierter Einwohner und externer Veranstalter eine eigene Quartieridentität. Der «Glattpark-Barometer» zeigte die Anliegen der Bewohner auf – und initiierte diverse Massnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität. So wurde Glattpark auch bei Familien immer beliebter; und die Forderung nach einem eigenen Schulhaus wurde entsprechend lauter. Nach mehreren Volksabstimmungen steht dessen Realisierung nun nichts mehr im Weg. Und damit bietet der neue Stadtteil nun bald wirklich alles, was das urbane Herz begehrt: eine umfassende Quartierversorgung mit Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen, optimale Anbindung an den öffentlichen Verkehr, eine grosszügige Parklandschaft mit eigenem See, Kinderkrippen, Kindergarten und bald ein Primarschulhaus. ■

*Alexandra Vogel ist Leiterin der Geschäftsstelle der Schweizerischen Vereinigung für Standortmanagement SVSM

** Das Buch «Glattpark – eine Stadt entsteht», herausgegeben von der IGG Glattpark, kann per E-Mail an oder per Telefon 043 211 50 10 zum Preis von CHF 50, zzgl. Versandkosten, bestellt werden. Das Buch mit hochwertigem Hardcover-Einband im Format 24 x 34 cm zeichnet auf 128 Seiten mit Texten, Bildern, Zitaten und Zeitungsartikeln die bewegte Geschichte des Entwicklungsgebietes nach. Das Buch ist deit Mitte September erhältlich.

Schweizerische Vereinigung für Standortmanagement SVSM

Die SVSM zählt rund 90 Mitglieder aus den Bereichen Standortmanagement, Regionenmarketing, Wirtschaftsförderung und Immobilien. Die Vereinigung fördert den Erfahrungsaustausch und das Networking und ermöglicht den interdisziplinären Informationsaustausch. Sie bemüht sich, Lehre, Forschung und Praxis zu verknüpfen und die Professionalität im Standortmanagement zu fördern. Jedes Jahr lädt die SVSM zum Tag des Standortmanagements ein, an dem hoch­karätige Referenten aktuelle Themen und Cases vorstellen und wo sich die Branche zum Networking trifft. Seit 2007 vergibt die SVSM die SVSM Awards für innovative Projekte in den Bereichen Standortentwicklung, Standortmarketing und Wirtschaftsförderung und wählt eine verdiente Persönlichkeit zum Standortmanager des Jahres. 

 

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