Ein Kap, eine Vision, 100 Millionen Franken
Jahrelang lag die Landzunge Capo San Martino zwischen Melide und Paradiso verlassen da – einst Restaurant, dann Nachtclub, zuletzt besetzt und mit Gittern gesperrt. Jetzt greift Christian Constantin, Walliser Bauunternehmer und FC-Sion-Präsident, zu: Für über 100 Millionen Franken soll hier ein Luxusresort entstehen. Das Projekt ist mehr als Hotelbau – es ist ein Testfall für das Tessin.
Das Capo San Martino zählt zu den spektakulärsten Seelagen der Schweiz. Die Landzunge südlich von Paradiso liegt zwischen zwei Gemeinden, hat eine bewegte Geschichte und war seit Jahren dem Verfall überlassen. Als das Grundstück zum Verkauf stand, schlug Constantin nach eigenen Angaben sofort zu. Was seit Jahren brachliegt, soll nun zu einem Ort zum Spazieren, Verweilen und Atmen werden.
Was geplant ist
Vorgesehen sind rund 100 Betten, Panoramazimmer, Gastronomie, Wellness und ein Spa mit direktem Seeblick. Verantwortlich für den Entwurf ist das Luganeser Büro Mino Caggiula Architects. Für den Architekten geht es um die Wiedererweckung eines Stücks Landschaft und Geschichte. Der Baustart ist für Anfang 2027 geplant, die Eröffnung für Frühjahr 2030, wenn alles läuft.
Die Hürden sind real
Bevor ein Stein gesetzt werden kann, braucht das Projekt eine Zonenplanänderung. Diese muss vom Stadtparlament und der Kantonsregierung genehmigt werden. Historische Vorbelastungen, Umweltfragen und die öffentliche Wahrnehmung an einem so exponierten Standort können rasch zu entscheidenden Einflussfaktoren werden. Constantin gibt sich zuversichtlich. Doch Beobachter bezeichnen den Zeitplan als sehr optimistisch.
Was das Projekt bedeutet
Für das Tessin ist Capo San Martino mehr als ein Immobilienprojekt. Es belebt die Debatte um den hochwertigen Tourismusstandort Lugano neu. In einem Markt, der zunehmend auf internationales Profil und Erlebnisqualität setzt, sind ikonische Projekte ein möglicher Hebel. Gleichzeitig steigt der Druck auf alle Beteiligten. Spektakuläre Bilder reichen nicht, gefragt sind tragfähige Konzepte für Betrieb, Erschliessung und politische Akzeptanz.
Leuchtturm oder Luftschloss
Ob Capo San Martino tatsächlich zum Leuchtturmprojekt wird, hängt von mehr ab als von 100 Millionen Franken. Das Projekt muss beweisen, dass es sich in einen anspruchsvollen topografischen und politischen Kontext einzufügen vermag. Gelingt das, schreibt Constantin tatsächlich ein neues Kapitel für diesen Ort und das Tessin ein neues Kapitel für seinen Tourismus.
Zum Projekt
Projekt
Capo San Martino, Paradiso/Lugano
Typ
Hochwertiges Hotel- und Tourismusprojekt
Eckwerte
Über 100 Mio. CHF Investition, rund 100 Betten
Nutzungen
Hotel, Restaurants, Wellness, Spa
Standortqualität
Exponierte Seelage am Luganersee
Herausforderung
Baurecht, Akzeptanz, sensible Lage und hohe Erwartungen an das Gesamtprodukt