Biel stimmt über schärfere Wohnregeln ab

In Biel sind zwei kommunale Wohninitiativen mit rund 2’600 Unterschriften eingereicht worden. Gefordert werden bis 2055 deutlich mehr gemeinnützige und städtische Wohnungen sowie verbindliche Quoten für preisgünstigen Wohnraum auf Privatgrund.

Juli 2026

In Biel ist die Wohnpolitik mit zwei eingereichten Volksinitiativen in die nächste Phase gegangen. Das Komitee hinter den Vorlagen hat Anfang Juli 2026 rund 2’600 Unterschriften abgegeben. Damit ist die formelle Hürde von 2’000 Unterschriften pro Initiative überschritten. Inhaltlich zielen die Begehren auf einen deutlich stärkeren Eingriff in Bodenpolitik, Wohnbauförderung und Planungsgewinne.

Der Kern ist klar: Bezahlbarer Wohnraum soll in Biel nicht nur auf öffentlichem Land, sondern auch bei privaten Arealentwicklungen verbindlicher gesichert werden. Das trifft Eigentümer, Entwickler, Genossenschaften und die Stadt gleichermassen, weil die Initiativen sowohl den Umgang mit städtischem Boden als auch die Regeln bei Um- und Aufzonungen neu definieren wollen.

2055 als politischer Zielpunkt
Die Wohninitiative verlangt, dass bis 2055 ein Anteil von 25 Prozent gemeinnützigen Wohnungen und zusätzlich fünf Prozent städtischen Wohnungen erreicht wird. Öffentlicher Boden in Wohnzonen dürfte dafür nicht mehr verkauft werden und wäre stärker für gemeinnützige oder städtische Wohnnutzungen zu reservieren. Hinzu kommt die Forderung nach einem städtischen Wohnfonds. Für Biel wäre das keine punktuelle Korrektur, sondern eine langfristige Weichenstellung in der Boden- und Wohnungspolitik.

Private Areale geraten stärker in den Fokus
Die zweite Vorlage geht direkt in die Entwicklungspraxis ein. Bei Um- und Aufzonungen soll auf privatem Boden mindestens ein Drittel der Wohnnutzung als preisgünstiger oder gemeinnütziger Wohnraum gesichert werden. Damit würde die Abschöpfung planerischer Mehrwerte in Biel stärker an wohnpolitische Auflagen gekoppelt. Für Projektträger steigt damit die Bedeutung von Nutzungsmix, Ertragsstruktur und Landkalkulation bereits in frühen Planungsphasen.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Der Wohnungsmarkt bleibt schweizweit angespannt, und gerade Haushalte mit tieferer Kaufkraft haben es bei der Wohnungssuche weiterhin schwer. Wenn Biel nun verbindliche Quoten über das Planungsrecht und die Bodenpolitik anstrebt, folgt die Stadt einem breiteren wohnpolitischen Trend, verschärft ihn lokal aber mit klar messbaren Zielgrössen.

Entscheid mit Folgen für Projekte
Politisch ist das Geschäft noch nicht entschieden. Der Gemeinderat hat nach der Einreichung bis zu zwei Jahre Zeit, die Vorlagen dem Stadtrat und danach den Stimmberechtigten vorzulegen. Für die Immobilienpraxis ist der Fall trotzdem bereits relevant. Sollte Biel den Initiativen folgen, würden künftige Entwicklungsprojekte stärker an gemeinnützige Trägerschaften, Kostenmieten und den strategischen Umgang mit städtischem Boden gebunden. Die Debatte dreht sich damit nicht mehr nur um Förderung, sondern um verbindliche Regeln für den Wohnungsbau.

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