Bern senkt Stromkosten und testet neue Lastlenkung

Für Haushalte in der BKW-Grundversorgung wird Strom 2027 erneut günstiger. Bei 4’500 Kilowattstunden Jahresverbrauch sinkt die Rechnung laut Unternehmen um rund 95 Franken pro Jahr. Gleichzeitig startet ein freiwilliger Netztarif mit Rabatten an sonnigen Nachmittagen und macht Stromnutzung zeitlich steuerbar.

August 2026

Der Schritt fällt in ein Tarifjahr, das schweizweit von sinkenden Netzkosten geprägt ist. Grundversorgungstarife müssen jeweils bis Ende August veröffentlicht werden, gelten ab 1. Januar des Folgejahres und bleiben während des Jahres fix. Für Eigentümer, Verwaltungen und Mieterhaushalte macht das die angekündigte Entlastung planbar.

Bei der BKW betrifft die Rechnung ein Standardprofil mit 4’500 Kilowattstunden Jahresverbrauch in einer Fünfzimmerwohnung mit Elektroherd und Tumbler. Daraus ergibt sich laut der aktuellen Tarifkommunikation eine Ersparnis von rund 7,90 Franken pro Monat oder etwa 95 Franken pro Jahr. Wie stark die Entlastung tatsächlich ausfällt, hängt vom individuellen Verbrauch ab.

Rabatt bei Solarspitzen
Neu führt BKW ab 1. Januar 2027 zudem einen freiwilligen dynamischen Netznutzungstarif ein. Im Sommerhalbjahr sollen Kundinnen und Kunden an sonnigen Nachmittagen von einem Rabatt profitieren. Der Mechanismus zielt darauf, Verbrauch in Stunden mit hoher Photovoltaik-Produktion zu verschieben und das Netz in diesen Phasen gezielter auszulasten.

Für die Immobilienpraxis ist das mehr als eine Tarifnotiz. In Wohnbauten mit Wärmepumpen, Elektroboilern, Ladeinfrastruktur oder gemeinschaftlich gesteuerten Haushaltsgeräten entsteht ein direkter Anreiz, flexible Lasten zeitlich zu verschieben. Gerade bei Liegenschaften mit Eigenverbrauchsmodellen, Smart Metern und digitaler Gebäudetechnik kann ein solcher Tarif die Betriebsführung verändern.

Netzkosten geben nach
Der Rückenwind kommt auch von der übergeordneten Netzebene. Swissgrid hat für 2027 erneut tiefere Tarife angekündigt. Ein Vierpersonenhaushalt mit 4’500 Kilowattstunden Jahresverbrauch soll für Leistungen von Swissgrid noch rund 54 Franken zahlen, nach 64 Franken im Jahr 2026. Parallel verweist die ElCom darauf, dass Haushalte unter 100’000 Kilowattstunden in der Regel in der Grundversorgung bleiben und ihre Tarife nicht unterjährig wechseln können.

Offen bleibt, wie stark Kundinnen und Kunden den neuen dynamischen Tarif tatsächlich nutzen werden. Für professionelle Eigentümer und Bewirtschafter wird genau das zur praktischen Frage, denn der Spareffekt entsteht künftig nicht nur über tiefere Energiepreise, sondern zunehmend über steuerbaren Verbrauch im Gebäude.

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