Bellechasse baut an der Haft von morgen
In Sugiez hat der Kanton Freiburg den Bau des neuen Zentralgefängnisses gestartet. Das Projekt für 70,8 Millionen Franken bündelt Untersuchungshaft, offenen Vollzug und Nebeninfrastruktur an einem Standort und verschiebt den Strafvollzug baulich wie betrieblich neu.
Auf dem Areal Bellechasse in Sugiez hat der Kanton Freiburg den nächsten grossen Hochbauschritt im Strafvollzug ausgelöst. Mit dem Baustart für das neue Zentralgefängnis wird ein Vorhaben konkret, das 80 Plätze für die Untersuchungshaft sowie ein separates Gebäude mit 10 Plätzen für offenen Vollzug und Arbeit ausserhalb der Anstalt schaffen soll.
Der bauliche Eingriff ist mehr als ein Ersatzneubau. Bellechasse wird zum zentralen Vollzugsstandort des Kantons ausgebaut, ergänzt um Anpassungen bei Küche, Parkierung und Erschliessung. Für die Immobilien- und Baupraxis ist das ein typisches Beispiel dafür, wie Spezialinfrastrukturen heute nicht mehr punktuell saniert, sondern als gebündelte Betriebsstandorte mit klarer Funktionslogik neu organisiert werden.
Abstimmung und Baustart greifen ineinander
Der Verpflichtungskredit von 53,06 Millionen Franken war im Kanton Freiburg dem obligatorischen Finanzreferendum unterstellt und wurde am 28. September 2025 von der Stimmbevölkerung klar gutgeheissen. Gemäss verfügbaren Unterlagen liegt das Gesamtvolumen des Projekts bei 70,8 Millionen Franken, wovon 13,6 Millionen Franken über Bundesbeiträge gedeckt werden. Der nun erfolgte Baustart folgt damit direkt auf die politische Absicherung des Vorhabens.
Gebaut wird auf dem Gelände der Freiburger Strafanstalt in Sugiez. Vorgesehen sind neben dem Gefängnisbau auch ein Gebäude für Halbgefangenschaft und Arbeitsexternat, die Erweiterung der bestehenden Kücheninfrastruktur, zusätzliche Parkplätze sowie eine neue interne Erschliessung. Öffentlich zugängliche Projektunterlagen zeigen zudem, dass die Anlage modular ausgelegt ist, um spätere Anpassungen einfacher zu machen.
Standortwechsel mit Folgen für Bestand und Betrieb
Der Kanton verlagert damit Funktionen aus der bisherigen Prison centrale in der Freiburger Unterstadt nach Bellechasse. Ausschlaggebend sind der bauliche Zustand des Altbaus, sicherheitsrelevante Defizite und die schwierige Lage mitten im Wohnumfeld. Die Inbetriebnahme der neuen Anlage ist nach aktueller Planung gegen Ende 2028 vorgesehen. Damit wird auch sichtbar, wie eng bauliche Infrastruktur, Betriebsorganisation und Standortpolitik bei öffentlichen Spezialimmobilien zusammenhängen.
Offen bleibt, wie rasch die neue Konzentration aller Haftfunktionen den Betrieb tatsächlich vereinfacht. Klar ist aber schon jetzt: Mit Bellechasse investiert Freiburg nicht in eine Einzelbaute, sondern in eine langfristige Neuordnung seines Vollzugsportfolios.