Baukultur als Innovationsmotor
Ein Campus ist keine Vitrine. Er ist eine Maschine für Wissen, Forschung und Begegnung. Gerade deshalb ist der neue Denkmalschutz für die erste Bauetappe der EPFL in Lausanne bemerkenswert. Er sichert nicht nur Beton, Raster und Räume, sondern schafft ein Verfahren, das Erneuerung möglich machen soll.
Foto: EPFL / Jamani Caillet, CC BY-SA 4.0.
Die ersten Gebäude des EPFL-Campus und ihre Umgebung stehen neu unter Denkmalschutz. Betroffen ist die erste Bauetappe aus den Jahren 1969 bis 1984. Das Ensemble wurde von Zweifel + Strickler + Associés entworfen und umfasst 158’800 Quadratmeter Geschossfläche.
Seine Stärke liegt im modularen Prinzip. Büro- und Laborflächen konnten sich über Jahrzehnte an veränderte Bedürfnisse anpassen. Diese Wandelbarkeit ist nun selbst Teil des geschützten Werts. Die Einstufung würdigt damit ein prägendes Werk der Schweizer Architektur des 20. Jahrhunderts.
Schutz mit Spielraum
Denkmalschutz weckt oft das Bild eines Gebäudes unter einer Glasglocke. Die neue Vereinbarung setzt bewusst auf ein anderes Modell. Der Kanton Waadt, die EPFL und der ETH-Rat verbinden den Schutz der architektonischen und historischen Merkmale mit Handlungsspielraum für Renovationen, Umbauten und neue Nutzungen. Der ETH-Rat vertritt dabei den Bund als Eigentümer der Gebäude.
Das ist mehr als eine formale Absicherung. Die EPFL muss Labore, Arbeitswelten und Lehrformen laufend an neue wissenschaftliche Anforderungen anpassen. Der Campus soll seine Identität bewahren, ohne seine Funktion als Forschungs- und Innovationsort einzubüssen.
Dialog statt Bremse
Kernstück des Abkommens ist ein permanenter Kooperationsmechanismus. Ein Projektausschuss soll mindestens alle zwei Monate über laufende Arbeiten beraten. Wird eine Projektart einmal bewilligt, können vergleichbare Massnahmen danach ohne zusätzliche formelle Verfahren umgesetzt werden.
Für grössere Erneuerungen an ganzen Gebäuden oder Gebäudegruppen kommt ein Steuerungsausschuss zum Einsatz. Er entscheidet auch über Musterzonen. Diese Bereiche bewahren charakteristische Elemente der ursprünglichen Architektur und machen sie sichtbar.
Ein Modell über Lausanne hinaus
Viele Hochschulen, Areale und Verwaltungsstandorte stehen vor derselben Aufgabe. Sie müssen bestehende Bausubstanz vorbereiten, neue Arbeitsformen ermöglichen und zugleich ihren architektonischen Charakter erhalten. Der EPFL-Ansatz zeigt einen möglichen Weg.
Nicht jedes Projekt braucht ein neues Gebäude, um zukunftsfähig zu werden. Manchmal liegt die Innovation darin, den Bestand präzise zu lesen, klug weiterzubauen und Regeln zu schaffen, die Tempo mit Qualität verbinden.