Basel kippt in die Vertikale des Wohnens
Rund um Basel steht ein Wohnhochhaus-Schub bevor, der die Region innert eines Jahrzehnts sichtbar verändert. Aus bislang drei Wohntürmen über 60 Metern wird ein dichtes Netz neuer Projekte zwischen Stadt und Agglomeration, mit Dreispitz Nord, Rosentalturm und weiteren Clustern als Taktgebern.
Basel war lange eine Hochhausstadt fürs Arbeiten. Nun verschiebt sich das Bild deutlich zum Wohnen. Nach heutigem Projektstand sollen in der Stadt und der nahen Agglomeration in den kommenden zehn Jahren rund 40 neue Wohnhochhäuser mit mindestens 60 Metern Höhe entstehen. Bereits sichtbar ist, dass sich der Schub nicht auf einen einzelnen Standort konzentriert, sondern gleichzeitig Areale in Basel, Birsfelden, Muttenz, Pratteln, Allschwil und Münchenstein erfasst.
Die grösste Zäsur kommt ausgerechnet dort, wo Hochhäuser bisher vor allem mit Büroflächen verbunden waren. Dreispitz Nord ist mit rund 800 geplanten Wohnungen, drei Türmen zwischen 124 und 151 Metern sowie einer neuen Sekundarschule auf dem Dach des Einkaufszentrums eines der prägendsten Vorhaben der Region. Der Regierungsrat Basel-Stadt hat den Bebauungsplan bereits beschlossen. Das Geschäft befindet sich im politischen Genehmigungsprozess. Damit ist das Projekt weiter als eine blosse Vision, aber noch nicht im Stadium eines bezugsreifen Bauvorhabens.
Vom Solitär zum Cluster
Besonders stark ist der Wandel dort, wo sich mehrere Projekte überlagern. Beim Rosentalturm ersetzt HRS das bisherige Parkhaus der Messe Basel durch ein Hochhaus und einen Längsbau. Aktuell kommuniziert die Entwicklerin 410 Mietwohnungen und einen Baustart im Jahr 2026 bei einer Bauzeit bis 2029. Auch hier zeigt sich, wie rasch sich Planungsstände ändern können. Frühere Angaben aus dem Umfeld des Projekts wichen bei Wohnungszahl und Termin noch davon ab. Für die redaktionelle Einordnung zählt deshalb der aktuell publizierte Stand. Parallel dazu verdichtet sich auch das Umfeld am Messeplatz weiter.
Ein zweiter Schwerpunkt entsteht auf grossen Transformationsarealen. Dreispitz Nord verbindet Wohnhochhäuser mit Handel, Schule, Parkanlagen und neuen Quartiernutzungen. Auf dem Klybeckareal wiederum ist nach heutigem Planungsstand ein ganzes Ensemble von Wohnhochhäusern vorgesehen, darunter mindestens zwei Bauten über 100 Metern. Solche Cluster verschieben die Diskussion weg vom einzelnen Turm hin zur Frage, wie vertikales Wohnen mit Freiraum, Erschliessung und sozialer Mischung organisiert wird.
Agglomeration zieht mit
Der Druck auf die Skyline endet nicht an der Stadtgrenze. In Muttenz, Birsfelden und Münchenstein laufen mehrere Hochhausprojekte parallel. Das Spektrum reicht von Mietwohnungen mit Gemeinschaftsflächen bis zu Eigentumswohnungen im Birstower. Für die Marktseite ist das relevant, weil sich in kurzer Zeit sehr unterschiedliche Produkte im selben Grossraum überlagern. Neben klassischen Mietwohnungen entstehen auch geförderte Segmente, Kostenmietanteile und einzelne Angebote im mittleren bis gehobenen Standard.
Gerade dieser Mix dürfte den eigentlichen Einschnitt markieren. Wohnhochhäuser werden in der Region Basel nicht mehr als Ausnahme mit Landmark-Charakter geplant, sondern als wiederkehrender Bautyp für neue Quartiere und verdichtete Lagen. Ob alle Vorhaben im angekündigten Zeitraum realisiert werden, bleibt wegen Bewilligungsverfahren, Abstimmungen und politischen Genehmigungen offen. Der Richtungswechsel ist trotzdem klar. Die Nordwestschweiz baut ihre nächste Wohnreserve immer öfter nach oben.