Ein Gebäude für das fast Unsichtbare

Die ETH Zürich baut auf dem Hönggerberg nicht einfach ein neues Physikgebäude. Sie baut eine kontrollierte Welt tief unter der Erde. Das HPQ soll hochpräzise Forschung ermöglichen, bei der kleinste Erschütterungen, Magnetfelder oder Temperaturschwankungen Messungen verfälschen können. Ab 2030 sollen hier rund 500 Forschende und Mitarbeitende an den Grenzen des Messbaren arbeiten.

© Alessandro Della Bella / ETH Zürich

September 2026

Das HPQ entsteht zwischen den bestehenden ETH-Gebäuden HIT und HIL. Ein Drittel der Fläche liegt überirdisch, zwei Drittel unter dem Boden. Der besonders empfindliche Laborbereich reicht bis zu 28 Meter tief in den Untergrund. Dort entsteht das Center for Low Noise Experiments. Forschungsgeräte ruhen auf bis zu 120 Tonnen schweren Betonsockeln. Aktive Luftfedern entkoppeln sie vom restlichen Gebäude. Die Labore müssen Temperaturschwankungen von höchstens 0,01 Grad Celsius und Vibrationen von maximal 0,1 Mikrometer pro Sekunde einhalten.

Das Gebäude folgt der Wissenschaft
Die ersten Ideen für das HPQ entstanden 2010. Die bestehenden Physikgebäude aus den 1960er-Jahren genügten den Anforderungen neuer Forschung nicht mehr. Anders als bei vielen Bauvorhaben stand deshalb nicht die Architektur am Anfang, sondern ein wissenschaftliches Anforderungsprofil.

Professoren, interne Fachleute und externe Expertinnen entwickelten dafür ein Konzept. Das Team besuchte führende Forschungsinfrastrukturen in den USA, Grossbritannien und Deutschland. Zudem untersuchte es in bestehenden ETH-Gebäuden, wie empfindlich verschiedene Forschungsgruppen auf Temperatur, Vibrationen und weitere Umweltfaktoren reagieren.

Modular für das Unbekannte
Aus dieser Vorbereitung entstand ein modulares Raumkonzept. Labore lassen sich künftig zusammenlegen oder an neue Forschungsanforderungen anpassen. Standardisierte Technik soll Synergien schaffen und den späteren Unterhalt vereinfachen.

Rund 25 Professuren aus dem Departement Physik sowie Forschende weiterer Departemente sollen das Gebäude nutzen. Vorgesehen sind etwa 8000 Quadratmeter Labor- und 4000 Quadratmeter Büroflächen. Die Forschung umfasst neue Materialien, Computerchips und Komponenten für Quantencomputer, die mit einzelnen Photonen gesteuert werden.

Architektur mit Präzision
Den Wettbewerb gewann 2016 Ilg Santer Architekten aus Zürich. Seit 2022 wird der Entwurf realisiert. Das Gebäude umfasst vier oberirdische Labor- und Bürogeschosse, ein öffentliches doppelgeschossiges Erdgeschoss und ein Technikgeschoss auf dem Dach.

Die komplexe Aufgabe verlangt die Zusammenarbeit zahlreicher Disziplinen. Fachleute für Laborbau, Statik, Gebäudetechnik und Architektur mussten zunächst verstehen, wie Physikerinnen und Physiker tatsächlich arbeiten. Die ETH organisierte deshalb vor Beginn der Planung gemeinsame Besichtigungen bestehender Labore und direkte Gespräche mit den Forschungsgruppen.

Eine Infrastruktur für Jahrzehnte
Der Baufortschritt ist sichtbar. Im Juni 2026 hatten die Arbeiten das zweite Untergeschoss erreicht, bis Ende Jahr sollen erste Obergeschosse im Rohbau entstehen. Der Bezug ist ab 2030 vorgesehen. Das HPQ ist kein gewöhnlicher Hochschulbau. Es ist eine Forschungsinfrastruktur, die Präzision räumlich organisiert. Wenn in seinen Tiefen künftig ein kaum messbares Zittern ausbleibt, kann daraus Wissen entstehen, das Quantenforschung, neue Materialien und Technologien von morgen voranbringt.

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