Wie der SIA neue Standards im Vergabewesen setzt
Mit der Swissbau 2026 bietet sich dem Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein die Gelegenheit, Entwicklungen im Beschaffungswesen seit 2024 zu analysieren. Im Fokus stehen Erfolge, neue Chancen und bestehende Herausforderungen. Darunter Projektallianzen, Qualitätsdiskussionen, Marktbeobachtung und die Einbindung nachhaltiger Kriterien.
Projektallianzen gewinnen an Bedeutung und werden nicht nur von Grossauftraggebern wie SBB und ASTRA pilotiert, sondern stehen branchenweit auf der Agenda. Das neue Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) sorgt in Ausschreibungen für mehr Raum der Qualitätsbewertung. Die rein preisgetriebene Konkurrenz tritt langsam in den Hintergrund. Dennoch bleibt der administrative Aufwand hoch und Dumpingangebote sind weiterhin ein Thema, das noch nicht optimal beherrscht wird.
Marktbeobachtung und Vergabemonitoring
Ein weiterer Meilenstein ist der Ausbau der Marktbeobachtung und des Vergabemonitorings durch die Kooperation mit Bauenschweiz. Die SIA-Beobachtungsstellen für Wettbewerbe und Ausschreibungen erfassen sowohl quantitative als auch qualitative Daten. Besonders auf Gemeindeebene erleichtert das eigens entwickelte Online-Tool «Planungsbeschaffung» die Umsetzung der neuen Vorgaben und gibt Planungssicherheit.
Potenzial für den gesamten Sektor
Pilotprojekte und der Verein pro-allianz.ch markieren den Wunsch der Branche nach partnerschaftlichen und projektzentrierten Organisationsformen. Die SIA fördert aktiv den Wissensaustausch und begleitet neue Allianzen, mit dem Ziel, das gemeinschaftliche Arbeiten und den Projekterfolg über klassische Konkurrenzmodelle zu stellen.
Wettbewerbsordnungen aktualisiert
Die Ordnungen SIA 142 und SIA 143 für Wettbewerbe und Studienaufträge wurden umfassend überarbeitet und seit August eingeführt. Neu werden Aspekte wie Urheberrecht, Vergütungsverfahren, Fairness und Transparenz stärker gewichtet. Die Revision wurde gemeinsam mit öffentlichen Bauherrschaften erarbeitet und erhöht die Akzeptanz auf beiden Seiten.
Nachhaltigkeitskriterien und Vergütung im Mittelpunkt
Neben ökologischen Aspekten erhalten Posten wie ökonomische, volkswirtschaftliche, soziale und kulturelle Nachhaltigkeit mehr Gewicht in den Beschaffungsprozessen. In Arbeitsgruppen und mit Veranstaltungsformaten wie «Postfossile Wettbewerbe» wird Inhalt, Definition und Umsetzung von Nachhaltigkeit kontinuierlich weiterentwickelt. Ein weiteres priorisiertes Thema ist die angemessene Vergütung von Planungsleistungen. Digitale Plattformen und neue Honorarordnungen sollen Fairness und Transparenz stärken, sodass Planungsbüros künftig marktgerecht und nachvollziehbar entlohnt werden.