Studie zeigt enormes Verdichtungspotenzial

Eine neue Studie mit dem Titel „Potenziale für nachhaltige Innenentwicklung“ identifiziert erstmals umfassend, wie viel Wohnraum und Arbeitsplatzfläche durch eine gezielte Nachverdichtung auf bestehenden Siedlungsflächen geschaffen werden kann, ohne weitere Flächen zu überbauen.

Oktober 2025

Insgesamt liegt ein sinnvolles Entwicklungspotenzial auf 30% der bestehenden Siedlungsgebiete vor, das bei einer Realisierungsquote von 70% Platz für 2 Millionen neue Bewohner sowie 1,1 Millionen Arbeitsplätze bieten könnte.

Die Untersuchung, durchgeführt von Sotomo im Auftrag von Urbanistica, schlägt vor, dass nachhaltige Innenentwicklung nur gelingt, wenn Dichte und Siedlungsqualität verbunden werden. Reine Verdichtung an verkehrs- und infrastrukturstarken Lagen reicht nicht aus. Vielmehr müssen verbesserte Nahversorgung, mehr Grünflächen, geeignete Ruhebereiche und ein differenzierter Nutzungsmix die Lebensqualität und die gesellschaftliche Akzeptanz sichern.

Agglomerationen als Brennpunkte und Chancenräume
Obwohl Städte wie Bern oder Zürich pro Fläche das höchste Potenzial aufweisen, liegt das grösste absolute Potenzial in den Agglomerationen. Dort könnten allein durch Innenentwicklung bis zu 870.000 Menschen neuen Wohnraum finden. Gemeinden wie Schwerzenbach, Opfikon und Vernier führen das Ranking hinsichtlich ihrer Entwicklungsmöglichkeiten an.

Herausforderungen bei der Siedlungsqualität
Gleichzeitig offenbart die Studie erhebliche Qualitätsdefizite, vor allem in Agglomerationen und Städten. Probleme sind etwa ein unausgewogener Nutzungsmix, Lärm und unzureichende Begrünung in städtischen Gebieten sowie mangelnde Nahversorgung und fehlender Zugang zu Naherholungsräumen in peripheren Zonen. Besonders in monofunktionalen Gewerbegebieten und Teilen der Westschweiz bestehen bauliche und soziale Defizite.

Praktische Anwendung und neue Geschäftsfelde
Für Investoren und Planer bietet die Studie eine präzise „Schatzkarte“ zur Identifikation deutlich nutzbarer Grundstücke und Areale bis auf Zonenebene. Dies erleichtert strategische Entscheidungen und minimiert Investitionsrisiken. Zudem unterstützt die Datenlage die Argumentation gegenüber Behörden und Bevölkerung, was den Prozess von Planungs- und Bewilligungsverfahren beschleunigen kann.

Für die Bau- und Immobilienwirtschaft eröffnen sich durch die Aufwertung bestehender Areale grosse Chancen. Die Transformation monofunktionaler Gewerbegebiete zu lebendigen, gemischten Quartieren gilt als Erfolgsmodell und wichtige Antwort auf Wohnungsknappheit und steigende Baukosten.

Innenentwicklung als Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum
Die Studie richtet den Fokus darauf, dass Innenentwicklung nicht nur Flächenfrage, sondern vor allem eine Qualitätsfrage ist. Durch die Konzentration auf bereits erschlossene Gebiete können Infrastrukturkosten reduziert und Zersiedelung eingedämmt werden. Die Herausforderung bleibt, gesellschaftliche Akzeptanz für Nachverdichtung zu schaffen und strukturelle Hürden abzubauen. Voraussetzung für eine zukunftsfähige und lebenswerte Siedlungsentwicklung in der Schweiz.

Diese Studie liefert somit ein datenbasiertes, vielversprechendes Fundament für die zukünftige Stadt- und Regionalentwicklung im Einklang mit dem Schweizer Raumplanungsgesetz.

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