Strategischer Schritt im europäischen Bausektor

Holcim hat eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme der europäischen Xella-Gruppe unterzeichnet. Das Unternehmen mit Marken wie Ytong, Silka, Hebel und Multipor beschäftigt über 4'000 Mitarbeitende in 21 Märkten und erzielt einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro. Die Akquisition soll Holcims wachstumsorientierten Bereich Building Solutions gezielt ausbauen und die Position als Anbieterin nachhaltiger Bausysteme erheblich festigen.

Oktober 2025

Mit der Integration erweitert Holcim ihr Produktportfolio um energieeffiziente und zirkuläre Wandlösungen in einem europäischen Markt mit einem Volumen von über 12 Milliarden Euro. Der Schritt zahlt auf die strategische Initiative „NextGen Growth 2030“ ein, die auf hochmargige Geschäftsfelder jenseits des klassischen Zementgeschäfts fokussiert ist.

Besonders das Angebot an mineralischen Leicht- und Porenbetonprodukten sowie digitalen Plattformen wie blue.sprint und Building Companion soll den Systemverkauf und das Zusammenspiel zwischen Baustoffen, Fertigteilen und digitalen Planungswerkzeugen stärken. Damit entsteht ein integriertes Wertschöpfungsmodell, das auf Effizienz, Nachhaltigkeit und Planungssicherheit setzt.

Finanzielle Perspektive der Transaktion
Der Kaufpreis liegt bei 1,85 Milliarden Euro. Das entspricht einem Pro-forma-EBITDA-Multiple für 2026 von rund 8,9 beziehungsweise 6,9 nach geplanten Synergien von 60 Millionen Euro im dritten Jahr. Bereits im ersten Jahr nach Abschluss wird ein positiver Beitrag zum Gewinn je Aktie und zum Free Cashflow erwartet. Ab dem dritten Jahr soll die Kapitalrendite steigen.

Die Übernahme unterliegt noch behördlichen Genehmigungen und soll im zweiten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden. Holcim betont, dass die Transaktion im Rahmen einer disziplinierten Kapitalstrategie erfolgt, die nachhaltiges Wachstum mit finanzieller Stabilität verbindet.

Bedeutung für die Struktur der Bauindustrie
Mit dem Schritt rücken vorgefertigte Bausysteme und modulare Lösungen stärker ins Zentrum der industriellen Wertschöpfung. Holcim reagiert damit auf die anhaltende Nachfrage nach ressourceneffizientem und klimafreundlichem Bauen in Europa, zugleich auf steigende regulatorische Anforderungen in der Gebäudetechnik und Energieeffizienz.

Die Kombination von Baustoffkompetenz, fortschrittlicher Produktion und digitalem Engineering verschiebt die Grenzen klassischer Werkstoffindustrien. Für den europäischen Bausektor könnte diese Übernahme zum Impulsgeber werden, hin zu stärker vernetzten, industriell geprägten Bauprozessen.

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