Startups die das Bauen umkrempeln

Im Swissbau Lab traten sechs Startups im Finale der Swissbau Startup Challenge an. Sie zeigten, wie sich CO₂ senken, Abläufe verschlanken und Ressourcen im Kreis führen lassen. Eine Fachjury kürte die Gewinner, Basel Circular vergab erstmals den Circular Award und über allem stand eine Erkenntnis «Die eigentliche Gewinnerin ist die Baubranche selbst».

Januar 2026

Tobias Hofmeier (Swissbau) und Moritz Kistenmacher (Startup Academy) boten den Rahmen, damit junge Unternehmen Sichtbarkeit, Zugang zu Partnern und ein professionelles Umfeld erhielten. Im Innovation Village des Swissbau Lab prägten Startups fast die Hälfte der rund 70 Partner. Ein klares Signal, welchen Stellenwert unternehmerische Innovation für die Swissbau hat.

Für Swissbau sind Startups keine Randerscheinung, sondern ein Herzstück des Innovationsprogramms. Unter dem Motto «zusammen neue Impulse setzen» ging es darum, Herausforderungen wie Klimaziele, Ressourceneffizienz, Produktivitätsdruck und Fachkräftemangel gemeinsam anzugehen. Diese Themen sind zentral und Innovation ist der Schlüssel, mit dem Startups weiterhin Tempo und den Mut für radikal neue Ansätze einbringen.

Die Startup Academy Schweiz begleitete im Rahmen der Challenge Jungunternehmen aus der Bau- und Immobilienwirtschaft besonders eng. Einige Startups, die vor wenigen Jahren noch im Innovation Lab pitchten, sind heute mit grösseren Ständen auf der Messe präsent. Genau diese Entwicklung, vom frühen Prototyp zur etablierten Marktakteurin, setzt die Challenge in Gang und wirkt weit über die Messedaten hinaus.

Politik und Standortförderung als Rückenwind
Die Bedeutung unterstrich das Grusswort von Regierungsrat Kaspar Sutter, Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt des Kantons Basel‑Stadt. Der Kanton hatte das Patronat über das Swissbau und unterstützt mit Basel Circular Unternehmen dabei, auf kreislauffähige Geschäftsmodelle umzusteigen. Dass der Circular Award gerade hier zum ersten Mal vergeben wurde, war folgerichtig und macht deutlich, dass Kreislaufwirtschaft und Klimaziele heute ins Zentrum der Baupolitik rücken.

Sutter betonte, wie stark der Standort Basel auf Innovationsförderung ausgerichtet ist und mit Programmen, die Unternehmen und Branchen konkret unterstützen. Seine Botschaft wirkt über die Swissbau hinaus. Startups sind für jedes Wirtschaftsökosystem zentral; ohne sie wären etwa neue Technologiefelder kaum denkbar. Vergleichbares zeichnet sich in der Bauwirtschaft ab. Nur wenn neue Player mit frischen Ideen dazukommen, kann die Branche den technologischen und regulatorischen Wandel bewältigen.

Auch der Kanton Baselland setzt mit seiner Standortförderung bewusst auf Innovation. Thomas Kübler, Leiter der Standortförderung Baselland, sprach am Finale von Rahmenbedingungen, die es Startups erleichtern sollen, zu wachsen und zu skalieren. Die wiederholte Partnerschaft bei der Swissbau Startup Challenge zeigt, dass hier nicht nur punktuell Netzwerke geknüpft, sondern langfristige Ökosysteme aufgebaut werden. Eine Basis, von der die Branche auch nach der Messe profitiert.

Bauen ist für die Schweizer Volkswirtschaft zentral, verursacht aber hohe CO₂‑Emissionen und grosse Abfallmengen. Basel‑Stadt verfolgt mit 2037 ein ambitioniertes Netto‑Null‑Ziel. Solche Vorgaben erhöhen dauerhaft den Druck und die Nachfrage nach Lösungen, wie sie die Finalistinnen und Finalisten präsentierten und in Projekten und Pilotanwendungen weiterentwickeln.

Sechs Finalisten, sechs Antworten auf die Bauwende
Im Finale standen die sechs Startups Aconitum Swiss, Benetics, Impact Build, Moduvo, Planlabs und Talpa Inspection. Sie repräsentierten unterschiedliche Hebel der Transformation, von digitaler Prozessoptimierung über zirkuläre Materialien bis zur neu gedachten Baustellenkommunikation.

Gemeinsam ist ihr Ansatz, dass sie die Bau‑ und Immobilienpraxis konkret verbessern und weniger Verschwendung, mehr Effizienz und bessere Daten erreichen. Die Ideen auf der Bühne im Swissbau Lab, sind keine Visionen im luftleeren Raum, sondern Lösungen, die sich bereits heute in Projekte, Baustellen und Planungsbüros integrieren lassen und dort ihre Wirkung entfalten.

Innenräume ohne Plastik
Aconitum Swiss hat ein biologisches Material aus Polymerkollagen entwickelt, das ohne Plastik auskommt und damit Energie, Ressourcen und Abfall reduziert. Ziel ist es, dauerhaft gesündere Lösungen für Mensch und Umwelt bereitzustellen. Gründerin Dr. Vlada Snus geht einen Schritt weiter und nutzt recyceltes Leder sowie upgecycelte Baustoffe wie Betonbruch, Sand, Recyclingglas und alte Dachziegel, um poröse Akustikpaneele zu produzieren. Diese Paneele verbessern die Raumakustik, filtern Luftschadstoffe, Viren und Bakterien und tragen zur Regulierung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit bei. Das System ist kreislauffähig, reduziert den Kunststoffverbrauch und kommt bereits im B2B‑Geschäft in der Schweiz, Europa und im Mittleren Osten zum Einsatz – mit Potenzial, sich weiter zu verbreiten.

Baustellenkommunikation ohne Zettelwirtschaft
Benetics nahm sich einem Dauerthema auf Baustellen an, Kommunikation und Dokumentation. Statt Klemmbrett, Papierplänen, Notizzetteln und chaotischen Chat‑Verläufen setzt das Startup auf eine cloudbasierte Plattform mit Smartphone‑App. Der Verantwortliche spricht seine Anweisungen ins Handy, eine KI strukturiert die Informationen automatisch und legt klare Aufgabe im System unter Aufgabe, Zuständigkeit, Frist, nötige Schritte, Fotos ab.

Gerade in einer international geprägten Branche ist das ein Vorteil. Mitarbeitende erhalten ihre Aufgaben in ihrer eigenen Sprache. So sinkt der administrative Aufwand, Fehler durch Missverständnisse werden reduziert und die Daten fliessen sauber in bestehende Systeme. Das zeigte sich bereits in den präsentierten Anwendungsfällen und künftig können noch mehr Baustellen davon profitieren, dass die Leute vor Ort sich wieder stärker auf das konzentrieren, was zählt, das Bauen.

Robotik und Erdmaterial
Impact Build denkt Bauteile von der Materialbasis her neu. Das ETH‑Startup will Wandelemente ohne klassische Schalungen herstellen, mit robotergestützter Fertigung und lokalen Ressourcen. Das Verfahren «Impact Printing» schiesst dichte Massen aus Aushub‑ und Bauschuttmaterial mit hoher Geschwindigkeit aufeinander, sodass sich die Schichten vollflächig verbinden und tragfähige Elemente entstehen.

Die so produzierten Bauteile lassen sich zuschneiden, detaillieren, beschichten und modular kombinieren. Sie regulieren Feuchte und Temperatur, sind von Natur aus feuerbeständig und akustisch wirksam und dies bei tieferen Material‑, Arbeits‑ und Transportkosten. Mit dem Circular Award im Rücken stärkt Impact Build nun seine Position, mobile Roboterfabriken in die Nähe von Baustellen zu bringen, Emissionen zu senken und das Modell schrittweise international auszurollen.

Innenwände im Kreislauf
Moduvo nahm die Gipswand als Wegwerfprodukt ins Visier. Ziel ist es, Innenwände kreislauffähig zu machen, ohne die Praxis komplett auf den Kopf zu stellen. Das Startup entwickelte vorfabrizierte, holzbasierte Wandsysteme, die sich schnell montieren und ebenso einfach umbauen oder wiederverwenden lassen. Ideal für Büros mit häufig wechselnden Grundrissen. Ergänzt wird das System durch einen Holzständer‑Baukasten, der sich ähnlich wie der klassische Trockenbau verarbeiten lässt. Handwerker müssen keine völlig neuen Techniken erlernen und doch ändern sich die Spielregeln grundlegend mit weniger Abfall, geringere graue Energie, bessere Lebenszyklus‑Kosten. Damit ist das Startup gut positioniert, um auf aktuelle und künftige Vorgaben zu Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz zu reagieren und Neubau wie Bestand fit für kommende Anforderungen zu machen.

Haustechnik auf Knopfdruck
Planlabs setzte dort an, wo viel Planungszeit und Material gebunden werden, wie bei der technischen Gebäudeausrüstung. Die cloudbasierte Plattform automatisiert die Planung von Lüftung, Heizung/Kühlung und Elektro. Alle Anlagen werden gleichzeitig berücksichtigt mit realen Herstellerkomponenten, lokalen Normen, automatischer Dimensionierung und Kollisionsprüfung. Ziel sind weniger Überdimensionierung, besser abgestimmte Systeme und eine deutlich reduzierte Planungszeit. Varianten lassen sich rasch durchspielen, Nachhaltigkeitsziele präziser hinterlegen. Was im Finale präsentiert wurde, verschafft Planenden mehr Freiraum für Konzeptarbeit und Qualität und schafft die Grundlage, dass künftige Projekte robuster, ressourceneffizienter und besser dokumentiert geplant werden.

Frühwarnsystem für Korrosionsschäden
Talpa Inspection entwickelt eine neuartige Inspektionssonde, mit der Korrosionsschäden an Betonbauwerken früh erkannt werden können, bevor sie zu sicherheitsrelevanten Problemen werden. Das Spin‑off‑Team der ETH Zürich ersetzt aufwendige, punktuelle Vor‑Ort‑Messungen und Papierprotokolle durch ein digitales Verfahren. Die Sonde erfasst systematisch Zustandsdaten, die in einem 3D‑Digital Twin des Bauwerks visualisiert werden. So lässt sich das Korrosionsrisiko räumlich genau verorten und Infrastrukturbetreiber wissen, wo und wann sie eingreifen müssen, um Brücken und andere Bauwerke gezielt zu sanieren und ihre Lebensdauer zu verlängern. Mit dem Sieg an der Swissbau Startup Challenge erhielt Talpa Inspection zusätzlichen Schub, um diese Technologie breiter in die Praxis zu bringen.

Countdown 2030
Countdown 2030 bildet rund um die Startups ein Zusammenschluss von Fachleuten aus der Bauwirtschaft. Im Zentrum steht die «Reduction Roadmap Switzerland». Sie leitet aus einem globalen CO₂‑Budget nationale und sektorspezifische Kontingente ab, die bis auf Gemeindeebene heruntergebrochen werden sollen. So können Kommunen Bauvorhaben und Ortsentwicklung gezielt am Klimabudget ausrichten. Dänemark dient dabei als Vorbild. Dort haben verbindliche Ökobilanz‑Pflichten und ambitionierte Reduktionspfade bereits zu Innovation, Materialsubstitution und Umnutzungen geführt. Die Botschaft aus dem Swissbau Lab heisst den auch, ohne klare CO₂‑Kontingente, vernünftige Regulierung und das Zusammenspiel von Politik, Verwaltung und Markt wird die Bauwende nicht gelingen. Mit ihnen aber eröffnen sich neue Spielräume für genau jene Lösungen, die im Finale zu sehen waren.

Circular Award Kreislauf als Leitmotiv
Mit dem Circular Award, powered by Basel Circular, wurde an der Swissbau erstmals ein Preis speziell für kreislauffähige Geschäftsmodelle vergeben. Basel Circular, eine Partnerschaft des Kantons Basel‑Stadt und weiterer Förderinstitutionen, unterstützt Unternehmen beim Übergang von linearen zu zirkulären Modellen.

Projektleiterin Stefanie Sendes machte am Finale deutlich, dass der Bausektor in der Schweiz für den grössten Anteil am Abfallaufkommen verantwortlich ist. Ihr Hinweis bleibt aktuell, Kreislaufwirtschaft ist weit mehr als Recycling. Entscheidend sind Wiederverwendung, Reparierbarkeit, modulare Produkte und Suffizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette und genau dort setzen viele der präsentierten Startups an.

Die Gewinner 2026
Der Circular Award ging an Impact Build, eine Auszeichnung, die das Potenzial der robotisch gefertigten Bauteile aus Rezyklat‑Materialien unterstreicht. Hier treffen Ressourcenschonung, industrielle Skalierbarkeit und gestalterische Qualität direkt aufeinander und schaffen eine Grundlage für konkrete Projekte der nächsten Jahre.

In der Swissbau Startup Challenge selbst wurden die Plätze drei, zwei und eins vergeben. Impact Build sicherte sich den dritten Rang, Benetics erreichte mit seiner KI‑gestützten Baustellenkommunikation Platz zwei und Talpa Inspection gewann als Hauptsiegerin den Finales. Diese Reihenfolge bleibt als Momentaufnahme, der eigentliche Wettlauf beginnt jedoch erst jetzt, wenn sich die Lösungen im Markt bewähren.

Am Ende erwies sich die Swissbau Startup Challenge als weit mehr als eine Bühne für Pitches. Sie funktionierte als Labor für die Bauwende und als Treffpunkt von Startups, etablierten Unternehmen, Politik und Verwaltung. Dass die Baubranche die Gewinnerin ist, gilt nicht nur rückblickend auf die Messetage, sondern vor allem dann, wenn die präsentierten Innovationen nun ihren Weg in den Alltag von Planenden, Ausführenden und Betreiberinnen finden.

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