PFAS im Bauschutt

Die Gefahr durch PFAS, sogenannte «ewige Chemikalien», ist im Schweizer Bauwesen angekommen. Neue Studien belegen die Verbreitung der Schadstoffe im Abbruchmaterial und Grundwasser. Bund und Branche suchen Lösungswege, aber der Weg in eine schadstofffreie Kreislaufwirtschaft ist noch lang.

September 2025

Jährlich entstehen in der Schweiz rund 7,4 Millionen Tonnen mineralische Bauabfälle mit Abbruch, Sanierung und Neubau wachsen die Mengen weiter. Nicht nur Asbest und PCB sind problematisch, sondern auch PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen). Diese Chemikalien gelten als krebserregend und reichern sich im menschlichen Körper an.

Eine Studie der Universität Bern weist in 20 Proben von Abbruchmaterial bis zu sieben PFAS-Substanzen nach, teils in Konzentrationen bis zu 5 Mikrogramm pro Kilogramm. Obwohl die Mengen als gering bewertet werden, empfiehlt das Forschungsteam weitergehende Untersuchungen. Deponien sind meist nicht abgedichtet, PFAS können ausgewaschen werden und so ins Grundwasser gelangen, wo sie die Nahrungskette und das Trinkwasser belasten.

Messungen und neue Standards
Der Baustoff-Verband Kreislauf Schweiz sowie das Bundesamt für Umwelt arbeiten gemeinsam mit Kantonen und unabhängigen Laboren an der Ermittlung der PFAS-Belastung in Kieswerken, Betonwerken und bestehenden Gebäuden. Die Untersuchung steht kurz vor dem Abschluss. Erkenntnisse sollen in einen Praxisleitfaden für den Umgang mit PFAS einfliessen. Der Bund plant bis 2026 Grenzwerte für PFAS in Altlasten und Abfällen, die Bauunternehmen künftig einhalten müssen.

Im Tiefbau hat das Bundesamt für Strassen empfohlen, PFAS-haltige Stoffe vorerst zu meiden. Wegen noch fehlender Gesetzesgrundlagen kann Astra bislang keine Verbote durchsetzen, arbeitet aber an Checklisten für PFAS-freie Bauprodukte.

Gesundheitsgefahr und Kreislaufwirtschaft
Das Bundesamt für Gesundheit  beobachtet die PFAS-Problematik in Innenräumen und warnt vor deren Hartnäckigkeit. PFAS binden sich lange an Materialien und werden beim Abschleifen und Inhalieren problematisch, sind aber im Wohnumfeld bislang weniger relevant, denn die Hauptquelle bleibt das Essen. Laut Behörden ist die Gefahr der Belastung durch Bauschutt und Deponien  grösser. Denn Regenwasser schwemmt PFAS ins Grundwasser und damit in die Nahrungskette. Sickerwasser wird zwar technisch gereinigt, das Risiko unkontrollierter Belastungen bleibt jedoch bestehen.

Der Baustoff-Verband betont, dass die Wiederverwertbarkeit von Abbruchmaterial durch die neuen Grenzwerte gefährdet ist. Gleichzeitig will die Branche die Chemikalien aus dem Kreislauf fernhalten. Fachgerechte Entfernung und Entsorgung sind möglich, fordert aber klare und umsetzbare Vorgaben vom Bund.

PFAS in Schweizer Böden
Eine aktuelle Schweizer Studie zeigt, dass PFAS mittlerweile in allen Oberböden nachweisbar sind, selbst in abgelegenen Wald- und Berggebieten. Punktquellen wie Löschübungsplätze und Galvanikbetriebe erhöhen lokal die Belastung. Besonders landwirtschaftlich genutzte Böden enthalten hohe PFAS-Werte, oft durch Klärschlamm als Düngemittel verursacht. Die Vielzahl von Anwendungen macht die Herkunft schwer nachvollziehbar.

Politische Debatte um PFAS
Nach PFAS-Nachweisen im Fleisch aus dem Kanton St. Gallen und ersten Verboten hat auch das Parlament die Problematik aufgenommen. Behörden und Branche arbeiten gemeinsam an einem Massnahmenmix zum Schutz der Bevölkerung und Umwelt. Umweltminister Albert Rösti bekräftigt den Ernst der Lage. Die Regierung will mit Grenzwerten, Leitfäden und gestraffter Kontrolle reagieren.

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