Makler der Zukunft

September 2025

Die Immobilienwelt steht vor einem epochalen Umbruch. Während klassische Makler einst unangefochtene Vermittler zwischen Angebot und Nachfrage waren, haben sich die Machtverhältnisse in den letzten Jahren radikal verschoben. Digitale Marktplätze dominieren den Erstkontakt, kontrollieren die Sichtbarkeit und beginnen zunehmend, in den Transaktionsprozess selbst einzugreifen.

Besonders deutlich zeigt sich dies am Beispiel der grossen Plattformen wie SMG. Mit Preiserhöhungen, aggressiver Datenpolitik und der Integration eigener Tools verwandeln sie sich vom reinen Insertions- in eine allumfassende Transaktionsplattform. Makler, die bisher als unabhängige Berater und Marktkenner agierten, werden dadurch in die Rolle von reinen Zulieferern gedrängt, abhängig, eingeschränkt und austauschbar.

Das Problem geht tiefer als bloss steigende Kosten bzw. reduzierte Margen. Es ist ein Systemwechsel, Plattformen horten Daten, priorisieren Inhalte nach eigenen Regeln und verschieben die Kundenbeziehung weg vom Makler hin zu sich selbst. Damit droht die Immobilienwirtschaft in ein „Uber-Modell“ abzugleiten. Makler werden zu Dienstleistern ohne direkten Kundenzugang, während Plattformen die Wertschöpfung abschöpfen.

Heisst das, dass der Beruf Makler ausgedient hat? Nein, aber er muss sich neu erfinden. Die Zukunft des Maklers liegt nicht mehr allein im Zugang zu Käufern und Verkäufern, sondern in der Vertrauensbildung, Beratungskompetenz und individuellen Begleitung. Gerade in einem komplexer werdenden Markt, geprägt von regulatorischen Veränderungen, steuerlichen Fragen und hohen Investitionsvolumina, suchen Kunden nach persönlicher Expertise, Verlässlichkeit und diskreter Betreuung.

Die Branche muss jedoch aktiv handeln, um nicht marginalisiert zu werden. Dazu gehören:

  • Unabhängigkeit bewahren: Insertionsstrategien diversifizieren, alternative Plattformen fördern und sich nicht ausschliesslich auf Monopolisten stützen.
  • Technologie nutzen statt fürchten: Eigene digitale Tools aufbauen, die Kundennähe stärken, anstatt diese an Dritte abzugeben.
  • Netzwerke und Kooperationen: Durch Brancheninitiativen und kollektives Handeln kann die Abhängigkeit von Plattformen reduziert werden.
  • Kundenzentrierung: Den Mehrwert der persönlichen Beratung klar kommunizieren – von der Wertermittlung bis zur emotionalen Begleitung in Kauf- und Verkaufsprozessen.

Der Makler der Zukunft ist nicht überflüssig, sondern notwendiger denn je, wenn er sich vom reinen Vermittler zum strategischen Berater, Dateninterpreten und Vertrauenspartner entwickelt. Wer diese Chance nicht ergreift, läuft Gefahr, in der digitalen Welt irrelevant zu werden.

Die Entscheidung liegt bei der Branche selbst, Resignation oder Neugestaltung.

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