Ein neuer Riese ordnet den Versicherungsmarkt neu

Mit der Fusion von Helvetia und Baloise ist in Basel ein neuer Versicherungsgigant entstanden. Die Helvetia Baloise Holding AG wird zur zweitgrössten Versicherungsgruppe der Schweiz und zum grössten Arbeitgeber der Branche. Hinter der nüchternen Formel «Fusion unter Gleichen» stehen strategische Machtverschiebungen, Chancen für den Markt und harte Einschnitte für Teile der Belegschaft.

Foto: Baloise

Dezember 2025

Seit dem 5. Dezember 2025 ist klar, Helvetia und Baloise treten nur noch gemeinsam auf, als Helvetia Baloise Holding AG mit Kotierung an der SIX und dem Kürzel HBAN. Die Baloise ist rechtlich in Helvetia aufgegangen, doch die neue Marke inszeniert sich bewusst als Gemeinschaftsprojekt zweier starker Wurzeln. Der letzte Handelstag der Baloise-Aktien markierte einen historischen Schnitt. Bereits drei Tage später wurden erstmals die neuen Titel von Helvetia Baloise gehandelt.

Mit dem Zusammenschluss entsteht ein Versicherer, der die Branche durch seine blosse Grösse verändert. Über 22’000 Mitarbeitende, ein Bruttoprämienvolumen von rund 20 Milliarden Franken und mehr als zwei Millionen Kundinnen und Kunden allein in der Schweiz machen Helvetia Baloise zum grössten Allbranchenversicherer des Landes. Rund 20 Prozent Marktanteil sind ein deutliches Statement: Dieser Konzern will die Spielregeln im Schweizer Versicherungsmarkt aktiv mitgestalten.

Macht, Märkte und Milliarden
Hinter der Fusion steht ein klares Kalkül, Synergien bündeln, Doppelspurigkeiten abbauen und die Schlagkraft erhöhen. Helvetia Baloise kündigt jährliche Kostensynergien von rund 350 Millionen Franken an, zusätzlich zu bestehenden Effizienzprogrammen. Für die Kapitalmärkte ist die Botschaft ebenso deutlich wie attraktiv. Die Dividendenkapazität soll bis 2029 um rund 20 Prozent steigen.

Für den Markt bedeutet dies einen neuen Pol der Stabilität und des Wettbewerbs. Ein derart grosser Player kann in Technologie, Digitalisierung und neue Produkte investieren, wie es kleineren Anbietern schwerer fällt. Gleichzeitig wächst der Druck auf andere Versicherer, nachzuziehen, Allianzen zu schmieden oder Nischen zu besetzen. Die Fusion ist damit mehr als ein Unternehmensdeal. Sie ist ein Signal für eine bevorstehende Neuordnung im Versicherungsplatz Schweiz.

Zwischen Aufbruch und Stellenabbau
Die Kehrseite der Synergien ist der angekündigte Stellenabbau. In den kommenden drei Jahren sollen 2’000 bis 2’600 Stellen wegfallen, vor allem dort, wo heute Doppelstrukturen bestehen, in Verwaltung, IT und Backoffice. Der Konzern betont, den Abbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten, mit natürlicher Fluktuation, Frühpensionierungen und internen Versetzungen. Für viele Mitarbeitende bedeutet die Fusion Unsicherheit, Neuorientierung oder Abschied.

Gleichzeitig setzt Helvetia Baloise ein klares Bekenntnis zum Standort Basel. Die Gruppe bleibt in der Rheinstadt verankert und positioniert sich als wichtiger Arbeitgeber und wirtschaftlicher Anker der Region. Welche Standorte gestärkt, zusammengelegt oder zurückgefahren werden, soll Schritt für Schritt kommuniziert werden., Ein langer Integrationsprozess, der über Jahre spürbar bleibt.

Was sich für Kundinnen und Kunden ändert
Für Kundinnen und Kunden bleibt vorerst vieles stabil. Bestehende Versicherungsverträge laufen zu den vereinbarten Konditionen weiter, ein ausserordentliches Kündigungsrecht entsteht durch die Fusion nicht. Rechtlich gehen Rechte und Pflichten automatisch auf Helvetia Baloise über. Im Alltag soll sich das zunächst kaum bemerkbar machen.

Mittelfristig dürfte sich das Bild jedoch verändern. Produktpaletten werden harmonisiert, Doppelangebote bereinigt, jeweils das attraktivere oder effizientere Angebot weitergeführt. Ziel sind schlankere, verständlichere Produktlinien und ein breiteres, einheitliches Angebot aus einer Hand. Von Hausrat über Motorfahrzeug bis zu Gebäudeversicherungen. Wie genau dieser neue Produktbaukasten aussieht, will der Konzern im Rahmen der weiteren Integrationskommunikation und an einem Investorentag im April 2026 konkreter zeichnen.

Aufbruch mit offenem Ausgang
Die Fusion von Helvetia und Baloise ist mehr als ein Bilanzakt, sie ist ein Aufbruch mit offenem Ausgang. Für den Versicherungsplatz Schweiz bringt der neue Riese Stärke, Tempo und Investitionskraft. Für Mitarbeitende bedeutet er sowohl Chancen in einer grösseren Organisation als auch das Risiko des Jobverlusts. Und für Kundinnen und Kunden verspricht er langfristig ein fokussierteres, moderneres Angebot, wenn es dem Konzern gelingt, seine Grösse in spürbaren Mehrwert zu übersetzen.

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