Baumeister und Gewerkschaften einigen sich auf neuen Landesmantelvertrag
Nach monatelangem Ringen haben sich der Schweizerische Baumeisterverband und die Gewerkschaften Unia und Syna auf einen neuen Landesmantelvertrag für das Bauhauptgewerbe geeinigt. Der Vertrag mit sechsjähriger Laufzeit bringt neue Regeln zu Arbeits- und Reisezeiten, ein Lohnpaket samt Teuerungsabsicherung und soll die Branche für Fachkräfte und Nachwuchs attraktiver machen.
In der zehnten Verhandlungsrunde erzielten die Delegationen von SBV, Unia und Syna am 12. Dezember 2025 ein Verhandlungsergebnis für einen neuen Landesmantelvertrag, der ab 2026 gelten soll. Der bisherige Gesamtarbeitsvertrag für rund 80’000 Bauarbeiter läuft Ende Jahr aus und musste deshalb neu geregelt werden. Beide Seiten betonen, dass sie in zentralen Punkten aufeinander zugegangen sind, um Planungssicherheit und wettbewerbsfähige Arbeitsbedingungen zu sichern.
Sechs Jahre Laufzeit und neue Arbeitszeitmodelle
Der neue LMV ist auf sechs Jahre ausgelegt und gilt von Anfang 2026 bis Ende 2031. Ein ungewöhnlich langer Horizont, der Stabilität in eine von Fachkräftemangel und Konjunkturunsicherheiten geprägte Branche bringen soll. Ab dem 1. Januar 2027 wird eine neue Arbeitszeitplanung eingeführt. Firmen können neu ein Modell mit konstanter täglicher Arbeitszeit wählen und dafür mehr Über- und Minderstunden in Kauf nehmen. Ergänzend dazu wird die Überstundenregelung vereinfacht und die Möglichkeit geschaffen, ein Langzeitferienkonto aufzubauen, auf dem Mitarbeitende Überstunden ansparen und später als längere Auszeit beziehen können.
Reisezeit, Zuschläge und Teuerung
Ein Kernpunkt der Einigung betrifft die Reisezeiten, die auf Baustellen im ganzen Land eine grosse Rolle spielen. Künftig sollen die Regelungen so ausgestaltet werden, dass sie allgemeinverbindlich erklärt werden können. Ab einem bestimmten Umfang wird Reisezeit als Überstunden angerechnet. Dazu kommt ein Lohnpaket mit substanziellen Erhöhungen der Zuschläge und Zulagen im Untertagebau, wo die Belastungen besonders hoch sind. Zudem ist eine Absicherung der Teuerung vorgesehen, damit die Reallöhne der Baubeschäftigten in einem Umfeld steigender Lebenshaltungskosten nicht erodieren.
Attraktivität der Baubranche im Fokus
Mit dem neuen Vertrag verfolgen Sozialpartner das gemeinsame Ziel, die Baubranche als Arbeitgeberin zu stärken. Für die heutigen Mitarbeitenden wie auch für künftige Fachkräfte. Modernere Arbeitszeitmodelle, klarere Regeln zur Reisezeit und verbesserte Zuschläge sollen die Bedingungen in einem körperlich anspruchsvollen Berufsfeld verbessern. Gleichzeitig erhalten die Unternehmen einen verlässlichen Rahmen, um Projekte zu planen, Personal zu binden und langfristig zu investieren.
Entscheid steht noch aus
Das Verhandlungsergebnis ist ein wichtiger Durchbruch, aber noch nicht der Schlusspunkt. Auf Seite des Baumeisterverbands soll eine ausserordentliche Delegiertenversammlung am 17. Dezember 2025 über die definitive Annahme entscheiden. Bei den Gewerkschaften Unia und Syna fällen die Berufskonferenzen im Januar 2026 den Entscheid. Erst wenn beide Seiten zustimmen, tritt der neue Landesmantelvertrag in Kraf und setzt die Leitplanken für die Arbeitswelt auf dem Bau bis 2031.