Locarno ordnet 70 Gebäude digital neu

Locarno zieht den kommunalen Gebäudepark auf eine digitale Datenbasis um. Mehr als 70 Liegenschaften sollen so nach Zustand, Energiebedarf und Investitionsdruck vergleichbar werden. Für Sanierungen und Budgets verschiebt sich damit der Blick von Einzelentscheiden zu einer laufenden Priorisierung.

September 2026

In Locarno läuft der Umbau der Bestandesbewirtschaftung im Hintergrund, aber mit handfester Wirkung für künftige Sanierungen. Die Stadt erfasst die Daten von mehr als 70 kommunalen Gebäuden in der Portfoliolösung Stratus, um Zustand, technische Komponenten, Unterhaltszyklen und Investitionsbedarf auf einer einheitlichen Grundlage auszuwerten.

Auslöser ist eine Antwort des Municipio auf eine Interrogation von Luca Panizzolo, die am 19. August 2026 auf der Website der Stadt publiziert wurde. Darin beschreibt die Stadt das Ziel einer vollständigen Datenbank, mit der Eingriffe nach technischen, funktionalen, energetischen und finanziellen Kriterien priorisiert werden können. Für die rund 30 wichtigsten Objekte steht laut Stadt ein Wert von rund 300 Millionen Franken im Raum, der gesamte Bestand liegt bei mehreren hundert Millionen Franken.

Energie wird zum Triagekriterium
Besonders eng überwacht die Stadt Gebäude mit hohem Verbrauch oder speziellen Betriebsanforderungen. Dazu zählen unter anderem Palazzo Marcacci, das Gebäude an der Piazzetta de’ Capitani, das Technische Logistikzentrum, das PalaCinema, das Centro di Pronto Intervento, der Kursaal, das PalExpo FEVI sowie Schulbauten. Für diese Liegenschaften liegen strukturierte Daten zu Energieverbrauch und Betriebskosten vor, die als Grundlage für Sanierungs- und Modernisierungsentscheide dienen.

Diese Energiedaten reichen in Teilen weit zurück. Die Stadt führt nach eigenen Angaben jährlich eine Energiebuchhaltung nach, in der die Verbräuche von Strom, Heizöl, Flüssiggas und Wasser der grössten kommunalen Gebäude über 25 Jahre erfasst sind. Damit wird Energie nicht bloss als Nachhaltigkeitsthema behandelt, sondern als Kriterium für Investitionsreihenfolgen im Bestand.

Sanierungen sind bereits gesetzt
Die digitale Erfassung bleibt in Locarno nicht Theorie. Laut Stadt befinden sich mehrere Eingriffe in Umsetzung oder in fortgeschrittener Planung. Genannt werden das Centro di Pronto Intervento, ein Kindergarten sowie vor allem die vollständige Sanierung der Primarschulen in Solduno. Weitere Massnahmen sind für die Schulen in Saleggi, den Palazzo Morettini, das Castello Visconteo und das PalExpo FEVI vorgesehen.

Hinzu kommen Folgen früherer Schäden. Nach dem Hagelereignis vom August 2023 wurden bei verschiedenen kommunalen Gebäuden Dächer und Dachböden verbessert, was den Energieverlust reduziert hat. Parallel setzt die Stadt auf kleinere, schnell wirksame Eingriffe wie den Ersatz von Beleuchtungsanlagen oder den Einbau von Thermostatventilen in Schulhäusern.

Mehr Daten, mehr Steuerung
Für Eigentümer mit heterogenen Portfolios liegt der eigentliche Wert solcher Systeme in der Vergleichbarkeit. Stratus ist auf öffentliche Immobilienportfolios ausgerichtet und soll den langfristigen Finanzbedarf datenbasiert sichtbar machen. Locarno verbindet diese Logik mit einer bereits laufenden Energiepolitik. Nach Angaben der Stadt deckten ihre Photovoltaikanlagen 2025 mit 720 MWh rund 31 Prozent des Stromverbrauchs der kommunalen Gebäude. Geplant ist, den Anteil in den nächsten Jahren auf 50 Prozent zu erhöhen. Für die Immobilienstrategie heisst das, dass Unterhalt, energetische Sanierung und Eigenstromnutzung zunehmend aus derselben Datengrundlage gesteuert werden.

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