L’OCDE exhorte Berne à passer à l’offensive en matière de loyers
Die OECD legt beim Schweizer Wohnungsmarkt den Finger auf die wunde Stelle. Im Länderbericht vom 15. September 2026 fordert sie mehr Tempo beim Bauen und heiklere Eingriffe bei Bestandesmieten. Genau dort beginnt für Politik, Vermieter und Mieter der eigentliche Sprengstoff.
Der neue Länderbericht rückt den Wohnungsmarkt ungewöhnlich stark ins Zentrum. Die OECD verbindet die angespannte Lage nicht nur mit zu langsamer Bautätigkeit, sondern auch mit Regeln, die bestehende Mietverhältnisse deutlich stärker schützen als neu ausgeschriebene Wohnungen. Damit trifft sie einen politisch besonders heiklen Punkt.
Die Diagnose fällt in eine Phase, in der sich der Markt weiter verschärft. Das Bundesamt für Wohnungswesen hielt am 16. September 2026 fest, dass sich die Lage 2025 und im ersten Halbjahr 2026 weiter zugespitzt hat. Für 2026 rechnet der Monitor weiterhin mit einem zu geringen Wachstum des Wohnungsbestandes. Gleichzeitig bleiben die Mieten in bestehenden Verträgen wegen tiefer Zinsen und geringer Inflation weitgehend stabil, während bei neu vermieteten Wohnungen weitere Mietsteigerungen erwartet werden.
Bestandesmieten im Visier
Genau an dieser Schere setzt die OECD an. Sie empfiehlt, Spannungen auf dem Wohnungsmarkt auch über eine Reform der Mietregulierung zu entschärfen. Im Bericht nennt sie ausdrücklich Rentenkontrollen neben Planungsrecht, Bewilligungsverfahren und Grundstückbesteuerung als Bereich, in dem Unsicherheiten und Hemmnisse abgebaut werden sollten. Der Kern der Kritik ist klar. Wenn Bestandesmieten viel langsamer steigen als Angebotsmieten, bleiben Haushalte häufiger in Wohnungen, die sie aus Kostengründen nicht aufgeben wollen. Das blockiert Umzüge und verschärft den Zugang für jene, die auf Neuabschlüsse angewiesen sind.
Für die Immobilienbranche ist das mehr als eine sozialpolitische Debatte. Eine Annäherung von Bestandes- und Marktmieten würde direkt in Bewirtschaftung, Investitionsrechnung und Mieterfluktuation eingreifen. Gleichzeitig wäre jeder Reformschritt rechtlich heikel, weil der Schutz vor missbräuchlichen Mieten im Schweizer System zentral bleibt.
Beim Bauen bewegt sich Bern schneller
Weniger ideologisch aufgeladen ist der zweite Teil der OECD-Kritik. Der Bundesrat beschloss bereits am 22. April 2026 Massnahmen zur Beschleunigung des Wohnungsbaus. Er will die Beschwerdemöglichkeit gegen Bauprojekte für Privatpersonen einschränken, missbräuchliche Einsprachen stärker sanktionieren und dem UVEK bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage ausarbeiten lassen. Der Bund macht zugleich klar, dass viele Hebel bei Kantonen und Gemeinden liegen, weil sie für Planungs- und Baubewilligungsverfahren zuständig sind.
Genau dort liegt die politische Asymmetrie. Beim Wohnungsbau rennt die OECD in Bern bereits offene Türen ein. Beim Mietrecht ist die Vorgeschichte deutlich härter. Schon 2015 hatte die Organisation eine stärkere Annäherung der Bestandesmieten an das Marktgeschehen empfohlen. Der neue Bericht zeigt damit vor allem eines. Der internationale Druck steigt erneut, während die innenpolitische Blockade beim Schweizer Mietrecht bestehen bleibt.